Proteine, Ballaststoffe, No & Low: Warum boomen Food-Trends, Kevin Ilse?
Foodblogger Kevin Ilse, bekannt als „The Stepford Husband“, spricht im 1000things-Interview über langfristige Food-Trends und ob ihn kurzlebige Social-Media-Hypes auch mal nerven.
Food-Content ist heute schneller, bewegter und näher am Alltag als noch vor einigen Jahren. Kevin Ilse kennt diese Entwicklung aus erster Hand: Als The Stepford Husband gehört er zu den frühen österreichischen Foodblogger*innen und veröffentlicht seit 2011 Rezepte und Geschichten aus seinem kulinarischen Alltag. Außerdem arbeitet er als Food-Fotograf und -Stylist und ist Mitorganisator des Austrian Food Blog Award.
Wir wollten nun von Kevin Ilse wissen: Was macht Essen eigentlich zum Social-Media-Hit – und von welchen Food-Trends bleibt mehr als ein kurzer Hype? Im 1000things-Gespräch erklärt er, warum Authentizität bei Food-Content immer wichtiger wird, welche Trends wie Protein, Ballaststoffe und No & Low gerade boomen und warum manche Social-Media-Hypes bei ihm persönlich eher für genervtes Augenrollen sorgen.
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Food-Content im Internet: Schneller, aber auch authentischer
Jana Koch: Kevin, du beschäftigst dich seit 2011 professionell mit Food-Content. Was muss Essen heute können, damit es online Aufmerksamkeit bekommt?
Kevin Ilse: Food-Content hat sich stark verändert. Anfangs gab es vor allem Blogs mit langen, ausführlichen Texten und viel Wert auf Fotografie. Man nahm sich mehr Zeit, sich mit einem Rezept, einem Trend oder einer Küche zu beschäftigen.
Heute ist alles schneller und stärker auf Bewegtbild ausgerichtet. Gleichzeitig ist der Content authentischer geworden: Der Trend geht langsam weg vom stark inszenierten und durchdachten hin zu schnell produziertem Content, der stärker aus dem Alltag kommt.
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Mehr InformationenOnline wandert zurück ins Offline-Leben
Hat sich nur die Darstellung verändert oder auch das Essen selbst, das online gezeigt wird?
Heute sind viele Leute auf bestimmte Nischen und Felder spezialisiert und richtige Nerds in ihrem Bereich. Dadurch wirkt das Essen, das gezeigt wird, globaler und facettenreicher. Viele dieser Nischen gab es vorher schon, aber weil sich online viel mehr Menschen mit Food beschäftigen, werden sie heute stärker bedient.
Gibt es Gerichte, die in einem Video gut aussehen, aber beim Essen nicht funktionieren?
Das war früher stärker der Fall, etwa zu Beginn der Tasty-Videos, bei denen teilweise grausige Gerichte entstanden sind. Inzwischen ist das besser geworden: Content und Gerichte sind authentischer, stärker aus dem Leben gegriffen und in den meisten Fällen tatsächlich umsetzbar.
Natürlich gibt es noch Dinge, die nur für die Show produziert werden, aber das ist ein kleiner Teil. Es dreht sich zwar viel um Hooks und die ersten drei Sekunden, doch das Rezept dahinter ist meistens nachvollziehbar und kochbar.
Gesunde Ernährung ist online in den vergangenen Jahren sehr wichtig geworden.
KEvin ilse, Food-Blogger
Welche größeren Food-Trends beobachtest du derzeit?
Protein ist seit ein paar Jahren großes Thema, Ballaststoffe werden seit Kurzem immer größer. Gesunde Ernährung ist online in den vergangenen Jahren sehr wichtig geworden. Im Getränkebereich spielt No & Low (Getränke mit keinem oder wenig Alkoholgehalt, Anm.) eine große Rolle.
Außerdem bringen viele Content-Creator ihre Angebote wieder ins Offline und veranstalten Community-Events, ähnlich den Run-Clubs. In Österreich tut sich da schon einiges, aber ich glaube, dass in den nächsten Jahren noch viel Interessantes kommt. Viele beginnen mit Pop-ups in Kooperation mit Restaurants oder mit Supper Clubs.
Der Unterschied zwischen Trend & Hype
Dubai-Schokolade, Pistazie oder Ube tauchen plötzlich überall auf und verschwinden oft ebenso schnell wieder. Was unterscheidet solche Hypes von langfristigen Food-Trends?
Social-Media-Trends sind kurze Hypes, die für einige Wochen oder Monate komplett ausgereizt werden. Meistens geht es um eine Zutat oder ein Produkt, wie bei der Dubai-Schokolade.
Daneben gibt es grundsätzliche Food-Trends, die sich über Jahre ziehen und unser Essverhalten verändern. Nachhaltigkeit ist ein Beispiel. Auch Fermentation, Brotkultur und Sauerteig sind keine kurzlebigen Hypes, sondern eher langfristige Veränderungen. Solche Trends betreffen häufig eine Technik oder eine Herangehensweise an das Kochen.
Die kurzen Social-Media-Hypes bekomme ich natürlich mit, versuche sie aber ein bisschen auszublenden, weil sie mich persönlich eher nerven.
Was einen guten alkoholfreien Drink ausmacht
Welche Entwicklung hat dich in den vergangenen Jahren besonders überrascht?
No & Low hat mich als Trend nicht überrascht, wohl aber die Geschwindigkeit, mit der das Thema in den vergangenen zwei Jahren groß geworden ist. Viele Menschen sind offener dafür geworden, als ich erwartet hätte, und es kamen schnell viele interessante Produkte auf den Markt.
Was macht eine gute alkoholfreie Alternative für dich aus?
Obwohl ich gerne Alkohol trinke, hat mir oft eine interessante Alternative gefehlt. Ich trinke weder gern Fruchtsäfte noch Limonaden, und nur bei einem Glas Wasser zu sitzen, ist auch fad. Eine gute Alternative sollte nicht einfach süß sein, sondern interessant schmecken und auch diesen Show-Effekt von Wein haben.
Über dieses Interview
Dieses Interview ist Teil unserer Serie rund um Digital Wellbeing und Freizeitinspiration und den 1000things Digital Wellbeing Newsletter für deine Freizeit. Darin zeigen wir dir in sieben Wochen, wie du digitale Inspiration für dich nutzen kannst – und dabei mehr Zeit und Erlebnisse für das echte Leben findest. Die Texte des Newsletters sind in Kooperation mit dem Kontext Club der Mediengruppe Wiener Zeitung entstanden.
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