Selbstdarstellung im Internet: Was stellst du (nicht) online, Michi Skopek?
Selbstdarstellung auf Social Media kann viel Spaß machen. Aber wie „richtig“ damit umgehen – was geht online, was besser nicht? Content Creator Michi Skopek hat uns erzählt, wie er sein Social Media Game handhabt, was er (nicht) postet und wie er eine gesunde Mitte findet.
Ein Sonnenuntergang, ein Clubabend oder ein besonderer Moment im Urlaub – für Michi Skopek steckt darin nicht nur ein cooles Erlebnis, sondern oft auch die Frage: Wäre das eine gute Story? Der österreichische Content Creator wurde mit humorvollen Videos und Lehrer-Parodien auf TikTok bekannt und spricht heute in seinem Podcast traumhaft ungefiltert über sein Leben mit Social Media, Öffentlichkeit und Reichweite.
Wie sehr verändert der Gedanke ans Posten unseren Blick auf den Moment? Darüber haben wir mit Michi Skopek gesprochen. Im 1000things-Gespräch erzählt er, warum er auch ohne Handy manchmal über den perfekten Content nachdenkt, wie er entscheidet, welche Teile seines Lebens privat bleiben, und warum es für ihn immer wieder darum geht, einen gesunden Punkt zwischen Beruf, Öffentlichkeit und echtem Erleben zu finden.
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Genau dann kommt der perfekte Sonnenuntergang
Jana Koch: Du teilst auf Social Media viel aus deinem Leben. Gibt es trotzdem Erlebnisse, bei denen du gar nicht daran denkst, daraus einen Beitrag oder eine Story zu machen?
Michi Skopek: Das ist tatsächlich schwierig. Wenn man im Urlaub ist und das Handy einmal im Hotelzimmer lässt, kommt sicher der perfekte Sonnenuntergang. Es gibt schon Momente, in denen ich das Handy nicht dabeihabe und die ich wirklich genieße.
Aber sehr oft ist im Hintergrund trotzdem der Gedanke: Daraus könnte ich jetzt eine Story oder einen Beitrag machen, das wäre der perfekte Fotospot. Bei mir ist das natürlich auch beruflich bedingt. Es ist mein Job.
Was tust du in solchen Situationen ohne Handy?
Entweder frage ich meine Mama, ob sie mir schnell ihres für ein Video gibt, oder ich genieße einfach den Moment. Ich habe beides schon gemacht. Ich genieße den Sonnenuntergang auch ohne Aufnahme, aber im Hintergrund bleibt dieses Fragezeichen: Ich könnte ihn doch filmen. Es ist eine Mischung.
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Mehr InformationenBeim DJ auf Ibiza: Filmen statt abgehen
Wann fällt dir besonders auf, wie stark das Fotografieren und Filmen ein Erlebnis verändern kann?
Wir waren jetzt in Ibiza und dort oft in Clubs. Wenn ein bekannter DJ aufgelegt hat, waren wirklich alle am Handy und haben die ganze Zeit gefilmt. Ich habe auch ein Foto und ein Video gemacht, aber nicht alles und jeden Moment aufgenommen.
Bei manchen hatte ich den Eindruck, dass sie nur noch filmen und gar nicht mehr im Moment leben. So ist es bei mir nicht. Natürlich denke ich oft daran, etwas festzuhalten, aber ich renne nicht nur mit dem Handy herum.
Es gibt klare Grenzen und Dinge, die ich nicht sage oder zeige.
Michi skopek, content creator
Wenn „10 bis 20 Prozent“ des Lebens online gehen
Wie entscheidest du, welche Teile deines Lebens du teilst und was privat bleibt?
Das ist in diesem Beruf tatsächlich schwierig. Die Leute sehen vielleicht zehn bis zwanzig Prozent meines Lebens, aber die Frage ist immer, welche Ausschnitte ich zeige.
Es gibt klare Grenzen und Dinge, die ich nicht sage oder zeige. Gleichzeitig besteht mein Job darin, mein Leben zu teilen und damit Leute zu unterhalten. Deshalb muss ich einen gesunden Punkt finden: Wie weit gehe ich und wo ist der Stopp?
Dein Podcast heißt „Traumhaft ungefiltert“. Kann Content überhaupt ungefiltert sein, wenn du immer auswählst, was du veröffentlichst?
Ich schaue schon, dass sehr viel echt ist. Natürlich muss ich überlegen, was ich poste und was nicht, und mich auch selbst schützen. Aber grundsätzlich gibt es bei mir viel Content, der ungestellt und real ist. Sehr viel ist tatsächlich ungefiltert.
Wenn du oft daran denkst, etwas festzuhalten und zu teilen: Wie verändert das deinen Alltag?
Berufliches und Privates lassen sich bei mir nicht immer trennen. Egal, wo ich hingehe, können mich Leute kennen und mit mir reden wollen. Das gehört zu meinem Leben und ich liebe es. Gleichzeitig ist immer ein gewisser Druck da: Mache ich es richtig? Wie lange geht das noch gut? Als Selbstständiger gehört das wohl dazu.
Bei mir kommt hinzu, dass ich jeden Tag posten muss. Man muss einen gesunden Umgang damit finden und einen Sonnenuntergang auch einmal genießen, wenn das Handy nicht dabei ist. Das geht schon, es fühlt sich nur ungewohnt an.
Über dieses Interview
Dieses Interview ist Teil unserer Serie rund um Digital Wellbeing und Freizeitinspiration und den 1000things Digital Wellbeing Newsletter für deine Freizeit. Darin zeigen wir dir in sieben Wochen, wie du digitale Inspiration für dich nutzen kannst – und dabei mehr Zeit und Erlebnisse für das echte Leben findest. Die Texte des Newsletters sind in Kooperation mit dem Kontext Club der Mediengruppe Wiener Zeitung entstanden.
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