Tracking im Laufsport: Wie wird man immer besser, Katharina Kiesenhofer?
Daten haben im Leistungssport eine große Bedeutung, wenn man sich laufend verbessern möchte. Athletin Katharina Kiesenhofer erklärt, warum Tracking im Laufsport wichtig ist, wie sie die Daten motivieren und welche Learnings sie aus dem Vergleich mit anderen schon ziehen konnte.
Beim Laufen zählen oft Sekunden, Kilometer und Trainingsdaten – doch nicht alles, was einen guten Lauf ausmacht, lässt sich messen. Katharina Kiesenhofer weiß, wie wichtig Zahlen im Leistungssport sind: Die Athletin hat unter anderem den ersten 10-Kilometer-Lauf beim Vienna City Marathon gewonnen und nimmt regelmäßig erfolgreich an Wettkämpfen teil. Ihr Training ist strukturiert und durchgeplant, gleichzeitig spielen Körpergefühl und Erholung eine entscheidende Rolle.
Wie findet man die richtige Balance zwischen Leistungsanspruch und dem eigenen Wohlbefinden? Darüber haben wir mit der Sportlerin gesprochen. Sie erzählt, warum der Vergleich mit den eigenen Bestzeiten manchmal besonders hart sein kann, weshalb auch Sportuhren nicht immer verlässliche Werte liefern und wie ein Lauf im Wald ein Gefühl vermitteln kann, das sich in keiner Statistik abbilden lässt.
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Mehr InformationenStrukturiertes Training als Schlüssel
Jana Koch: Du trainierst beim Laufen auf einem Niveau, auf dem Zeiten und Daten eine wichtige Rolle spielen. Gehst du trotzdem manchmal laufen, ohne auf deine Leistung zu achten?
Katharina Kiesenhofer: Ehrlich gesagt nicht. Beim Laufen, meinem Hauptsport, ist alles genau geplant und wird auch so gemacht. Ausnahmen gibt es, wenn ich das Gefühl habe, dass ich krank werde oder mich verletzen könnte. Beim Radfahren und bei anderen ergänzenden Sportarten zählt die Zeit dagegen nicht ganz so genau. Diese Einheiten plane ich teilweise weniger konkret.
Wie bist du denn zum Laufen gekommen?
Das begann während der Pandemie. Ich habe einen Ausgleich und einen Coping-Mechanismus gesucht. Wenn man dann merkt, dass man sich verbessert, möchte man diese Entwicklung auch messen. Daraus entsteht ein Kreislauf: Du siehst, dass du besser wirst, willst diese Verbesserung gezielt herbeiführen und kommst irgendwann nicht mehr um strukturiertes Training herum.
Wie die Daten motivieren
Motivieren dich die Daten oder erzeugen sie eher Druck?
Insgesamt motivieren sie mich eher, vor allem, wenn ich mich verbessere. Es kann aber auch hart sein. Man hört oft, man solle sich nicht mit anderen, sondern nur mit sich selbst vergleichen. Der Vergleich mit sich selbst kann allerdings der härteste sein.
Nach einer Krankheit fühlen sich die ersten Trainings schlecht an und sehen häufig auch in den Daten schlecht aus. Nach einer Verletzung war ich etwa zehn Sekunden pro Kilometer langsamer, obwohl es sich genauso anstrengend anfühlte wie davor. In solchen Phasen kann der Vergleich mit den eigenen früheren Daten brutaler sein als der mit anderen.
Der Vergleich mit sich selbst kann der härteste sein.
katharina kiesenhofer, athletin
Wie sich ein Lauf am besten anfühlt
Kann sich ein Lauf gut anfühlen, obwohl die Zahlen nicht stimmen?
Bei mir stimmen Gefühl und Daten meistens recht gut überein. Wenn ich von den Zahlen enttäuscht war, hat sich das Training häufig auch schlecht angefühlt. Trotzdem ist nicht nur entscheidend, was die Uhr sagt. Für mich ist es eine Symbiose aus Daten und Körpergefühl.
Man sollte auch nicht alle Daten ernst nehmen. Manche Werte, die Uhren ausgeben, beruhen nicht auf validen Messmethoden, sondern sind Schätzungen. Außerdem gilt: Nicht alles, was man messen kann, ist wichtig, und nicht alles, was wichtig ist, kann man messen. Wie es einem bei einem Lauf gegangen ist, lässt sich nicht so leicht in Zahlen ausdrücken. Dieses Erleben ist aber genauso wichtig wie die objektiven Werte.
Was macht für dich einen guten Lauf aus – abseits von diesen Werten?
Wenn er sich leicht und unbeschwert anfühlt. Ich laufe wahnsinnig gerne im Wald, in der Natur und auf Trails. Dort fühle ich mich mit meiner Umgebung und meinem Körper verbunden und komme oft in einen Flow-State. Dann habe ich das Gefühl, einfach ewig weiterlaufen zu können und einen schönen Tag im Wald zu erleben. Dieses Gefühl kann eine Uhr nicht abbilden.
Vergleiche mit anderen: Mit Neugier statt Abwertung
Wie entscheidest du, ob du an einem Trainingsplan festhältst oder auf deinen Körper hörst?
Ich trainiere sehr strukturiert und lasse fast nie eine Einheit aus, achte aber stark auf meinen Körper und auf alles rundherum. Ich esse vor dem Laufen, trainiere nicht nüchtern und versuche, genug zu schlafen. Ich belaste meinen Körper nur so, wie es gerade passt und wie ich mich langfristig verbessern kann. Wenn ein hartes Training nicht wie geplant funktioniert, versuche ich, den richtigen Trainingsreiz zu setzen, ohne mich zu sehr von den Daten negativ beeinflussen zu lassen.
Du meintest eben, der Vergleich mit sich selbst sei mitunter der härteste. Wie ist das bei Vergleichen mit anderen?
Diese Vergleiche können helfen, wenn man neugierig statt abwertend darauf schaut. In einer Trainingsgruppe kann es auffallen, dass sich alle anderen verbessern, man selbst aber nicht. Dann hilft es manchmal, genau hinzuschauen und nachzufragen, woran das liegen könnte.
Ich hatte einmal so eine Phase. Eine andere Frau riet mir dann, meine Eisenwerte kontrollieren zu lassen. Dabei stellte sich ein starker Eisenmangel heraus. Nach Infusionen lief mein Training wieder besser. Ein Vergleich muss also nicht unbedingt das eigene Selbstwertgefühl angreifen. Man kann ihn auch nutzen, um von anderen zu lernen.
Über dieses Interview
Dieses Interview ist Teil unserer Serie rund um Digital Wellbeing und Freizeitinspiration und den 1000things Digital Wellbeing Newsletter für deine Freizeit. Darin zeigen wir dir in sieben Wochen, wie du digitale Inspiration für dich nutzen kannst – und dabei mehr Zeit und Erlebnisse für das echte Leben findest. Die Texte des Newsletters sind in Kooperation mit dem Kontext Club der Mediengruppe Wiener Zeitung entstanden.
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