Digital Detox: Was bringt eine Handy-Auszeit, Petra Barta?
Petra Barta, preisgekrönte Hotelière und Direktorin des Auszeit-Hotels Die Wasnerin, spricht im 1000things-Interview über Digital Detox und was es leisten kann – was aber auch die Schwierigkeit ist.
Wellnessurlaub und Smartphone – für viele klingt das nach einem Widerspruch. Petra Barta, Hoteldirektorin des G’sund & Natur Hotels Die Wasnerin in Bad Aussee, erlebt täglich, wie schwer es vielen Gästen fällt, wirklich abzuschalten. Seit Jahren setzt sie deshalb auf handyfreie Zonen, bewusste Auszeiten und Naturerlebnisse und wurde wegen ihres Könnens bereits als Hotelière des Jahres ausgezeichnet.
Wie viel digitale Auszeit tut uns tatsächlich gut? Das wollten wir von Petra Barta wissen. Im 1000things-Gespräch erzählt sie, warum ein Urlaub ohne Handy für manche Gäste zunächst fast unvorstellbar ist, weshalb Erreichbarkeit nicht mit Wichtigkeit gleichzusetzen ist und warum für sie nicht der komplette Digital Detox, sondern ein gesunder Mittelweg entscheidend ist.
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Ins Handy statt in die Augen schauen
Jana Koch: Sie führen seit vielen Jahren Wellness- und Spa-Hotels. Wie hat sich der Umgang Ihrer Gäste mit dem Smartphone verändert?
Petra Barta: Ich beobachte natürlich meine Gäste und merke, dass sich die Menschen immer abhängiger von diesem Gerät machen. Darin sehe ich eine große Gefahr. Wir bieten seit zehn Jahren ein Zimmer ohne Handyempfang, Fernseher und Radio an. Die Gäste sollen sich bewusst mit anderen Dingen beschäftigen und eine Auszeit von ihrem Alltag nehmen. Das ist für viele gar nicht so einfach.
Das klingt paradox: Die Menschen buchen ein Wellnesswochenende, möchten aber nicht auf ihr Handy verzichten.
Ja. Manche Paare finden die Idee zunächst gut, aber dann sagt eine Person: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Zugleich erleben wir, dass Gäste sich zwar für ein Wellnesswochenende entscheiden, aber dann an der Bar auf ihr Handy schauen, statt miteinander zu reden.
Deshalb haben wir im Hotel bewusst WLAN-freie Zonen, auch im Spa-Bereich. Wir empfehlen den Gästen, das Handy wegzulegen, rauszugehen und die Natur zu genießen. Bei unseren Silent Walks oder beim Waldbaden geht es ebenfalls darum, einmal Abstand von all dem zu gewinnen, was ständig auf uns einströmt.
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Mehr InformationenDigitale Helfer: Es geht um einen Mittelweg
Wie reagieren die Gäste auf diese Angebote?
Viele kommen bewusst zu uns und sind dankbar, dass wir die Dinge anders machen. Andere buchen schnell und anonym im Internet und merken erst vor Ort, dass hier eine etwas andere Welt auf sie wartet. Oft stellen sie dann fest: Eigentlich haben die nicht Unrecht. Sie nehmen die Anregungen an und genießen es, dass persönliche Gespräche, Bücher, Natur und menschliche Begegnungen bei uns einen hohen Stellenwert haben.
Bleibt von dieser Auszeit auch nach dem Urlaub etwas bestehen?
Ich kann unseren Gästen in der Zeit, in der sie bei uns sind, wertvolle Anstöße für ihre Erholung geben. Ob das im Alltag lange anhält oder sie schnell wieder in alte Gewohnheiten verfallen, kann ich nicht beeinflussen. Ich glaube aber, meistens hält das nicht sehr lange, denn gerade darin liegt doch die Schwierigkeit: Während des Aufenthalts ist der Abstand leichter als später im normalen Alltag.
Ist ein vollständiger Digital Detox aus Ihrer Sicht überhaupt der richtige Weg?
Ich bin keine absolute Gegnerin digitaler Technologien. Wir brauchen sie, um Dinge schneller und effizienter umzusetzen, und das ist auch gut so. Aber ich muss nicht mein ganzes Leben darauf aufbauen.
Wir sollten nutzen, was uns das Internet und andere digitale Werkzeuge Gutes bringen, ohne unser gesamtes Leben nach ihnen auszurichten. Es geht um einen Mittelweg: Wir sollten die Technik nicht grundsätzlich verurteilen, uns aber auch nicht völlig von ihr abhängig machen.
Die Welt bricht nicht zusammen, wenn man nicht erreichbar ist.
Petra barta, Hoteldirektorin
Wie das Abschalten als Hoteldirektorin gelingt
Sie selbst müssen als Hoteldirektorin häufig erreichbar sein. Wie schaffen Sie es trotzdem, abzuschalten?
Ich habe eine besondere Verantwortung. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, dass sie mich in einer Notsituation auch an einem freien Tag anrufen dürfen. Trotzdem bin ich heilfroh, wenn das Handy den ganzen Tag nicht läutet.
Für mich ist es mittlerweile wahrer Luxus, das Handy bei einer Radtour oder einer Wanderung nicht mitzunehmen. Meinen Führungskräften sage ich ebenfalls: Wenn ihr frei habt, habt ihr frei. Schaut nicht aufs Handy. Ihr braucht diesen Freiraum und diese Kraft für den Alltag.
Warum fällt es im Berufsalltag so schwer, diese Grenzen einzuhalten?
Das Berufsleben ist fordernder geworden und viele Menschen wollen sofort eine Antwort oder ein Ergebnis. Um diesen Druck auszuhalten, braucht es Freiräume. Die Welt bricht nicht zusammen, wenn man nicht erreichbar ist. Niemand ist so wichtig. Das versuche ich meinen Mitarbeitenden genauso zu vermitteln wie den Gästen. Auch im Urlaub muss man nicht ständig erreichbar sein.
Social Media: Skepsis auch bei jungen Menschen
Welche Rolle spielt Social Media bei diesem Druck?
Wir machen oft schnell ein Foto von einer schönen Location, posten es und wollen sofort kommunizieren, wie toll es gerade ist. Dabei wäre es wertvoller, mit dem Partner oder mit Freundinnen und Freunden zu reden und den Moment zu genießen.
Interessant finde ich, dass auch junge Mitarbeitende teilweise genug von Social Media haben. Wenn ich vorschlage, sie könnten Social Media für das Hotel machen, sagen manche: Nein, wir haben schon genug von Social Media. Da gibt es bereits eine Gegenbewegung.
Was möchten Sie Ihren Gästen über den Aufenthalt hinaus mitgeben?
Dass weniger durchaus mehr sein kann. Ein persönliches Gespräch auf Augenhöhe, ein ruhiger Austausch oder Zeit in der Natur sind etwas anderes als ein Leben, das sich nur noch im Netz abspielt. Wichtig ist, wieder miteinander zu sprechen und bewusst zu entscheiden, wann digitale Geräte hilfreich sind und wann sie weggelegt werden dürfen.
Über dieses Interview
Dieses Interview ist Teil unserer Serie rund um Digital Wellbeing und Freizeitinspiration und den 1000things Digital Wellbeing Newsletter für deine Freizeit. Darin zeigen wir dir in sieben Wochen, wie du digitale Inspiration für dich nutzen kannst – und dabei mehr Zeit und Erlebnisse für das echte Leben findest. Die Texte des Newsletters sind in Kooperation mit dem Kontext Club der Mediengruppe Wiener Zeitung entstanden.
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