Gratis Gourmet: Warum Salzburgs coolstes Zwei-Sterne-Menü plötzlich nichts kostet
Gratis Fine Dining? Genau das macht Spitzenkoch Andreas Senn im Juni möglich. In seinem Salzburger Zwei-Sterne-Restaurant SENNS lädt er jeden Werktag Gäste unter 30 kostenlos zum Gourmet-Menü ein – inklusive Jakobsmuschel, Balfegó-Tuna und einer ziemlich spannenden Frage: Wie begeistert man eine Generation für Spitzengastronomie, die bisher eher Iced Matcha Latte als Michelin kannte?
Keine Ahnung, wie es euch geht, aber früher hat man mit unter 30 in Salzburg eher einen Spritzer bestellt, als eine Jakobsmuschel mit grüner Erdbeere. Das ist nun allerdings anders – zumindest im SENNS Restaurant von Andreas Senn. Willkommen in der vielleicht charmantesten Guerilla-Aktion der heimischen Spitzengastronomie.
Denn während andere noch diskutieren, ob Gen Z überhaupt noch Fine Dining will – oder lieber Smash Burger und Matcha Latte konsumiert –, macht Zwei-Sterne-Koch Andreas Senn einfach ernst. Im Juni reserviert er in seinem Salzburger Restaurant SENNS jeden Werktag einen Tisch für Gäste unter 30.
Das Menü? Kostenlos. Kein Haken, kein „aber“. Außer vielleicht, dass man danach vermutlich nie wieder ganz entspannt zu Pasta mit Pesto zurückkehrt.
Gratis Essen für unter 30-Jährige
Die Aktion heißt „SENNS First Taste“ und ist in etwa das kulinarische Äquivalent dazu, jungen Menschen einmal Business Class fliegen zu lassen. Danach schaut man Economy mit anderen Augen an. Bewerben kann man sich unkompliziert via Instagram-Kommentar.
Und der Rahmen könnte kaum spektakulärer sein. Das SENNS befindet sich im Salzburger Gusswerk, wo früher Europas größte Glocken gegossen wurden. Heute hängt eine davon noch immer im Raum. Wo einst Metall geschmolzen wurde, werden heute Geschmacksknospen weichgekocht.

2 Sterne-Menü im Luxus-Restaurant
Auf den Teller kommt dabei kein abgespecktes Kennenlern-Menü, sondern echtes Zwei-Sterne-Niveau. Senn schickt seine Gäste auf eine Reise durch „die 5 Geschmackssinne“: Steamed Bun mit Mangalitza-Schwein und Hoisin, Kalmar mit Amalfi-Zitrone, Jakobsmuschel mit Spargel, Rehrücken mit fermentiertem Pfeffer oder Toro vom Balfegó-Thunfischbauch. Wer danach noch behauptet, junge Menschen würden sich nur von Lieferpizza ernähren, war vermutlich nie im Gusswerk.

Feedback erwünscht
Hinter der Aktion steckt aber mehr als nur Großzügigkeit. Andreas Senn will wissen, wie eine neue Generation heute auf Fine Dining blickt. Muss Spitzenküche lockerer werden? Weniger steif? Mehr Erlebnis, weniger Silberhaube? Nach diesem Juni sollen die Gäste deshalb auch Feedback geben.

Und vielleicht ist genau das zugleich auch der spannendste Gedanke an dieser Aktion: Dass Fine Dining plötzlich wieder neugierig wird. Weniger Elfenbeinturm, mehr Einladung. Weniger Ehrfurcht, mehr Genuss. Oder anders gesagt: Vielleicht braucht die Spitzengastronomie gar keinen kompletten Neustart – sondern einfach öfter Menschen unter 30 am Tisch.