Auf zum Wein: Die schönsten Wein-Ausflugsziele rund um Wien
Raus aus der Stadt, rein in die Weingärten: Für einen richtig guten Weinausflug müsst ihr von Wien aus nicht weit fahren. Wir zeigen euch einige der schönsten Ziele rund um die Hauptstadt, innerhalb einer Stunde erreichbar.
In Wien ist man richtig verwöhnt, wenn man durch Reben wandern und bei Heurigen die wunderbaren Weine genießen möchte. Am Nussberg, am Bisamberg oder in Mauer ist man da bestens aufgehoben. Insbesondere an den populären Wein-Wandertagen werden die Weinberge und Labestationen richtiggehend gestürmt.
Wer es ruhiger angehen möchte, findet rund um Wien unzählige Möglichkeiten, die Weinkultur vor Ort zu genießen. Ein Großteil der Weinbauregionen, von der Wachau bis zum Neusiedler See, ist binnen einer Stunde erreichbar. Wir haben Empfehlungen für euch zusammengetragen, wo ihr gemütlich durch die Rieden spazieren, durch Kellergassen flanieren und bei Weingütern und Heurigen einkehren könnt.
Durch die Thermenregion spazieren
Unser erster Ausflug führt südlich von Wien. Besonders schön ist die Gegend zwischen Mödling, Gumpoldskirchen, Pfaffstätten und Bad Vöslau. Ein großer Teil der Strecke führt durch Weingärten, für die Einkehr ist dank zahlreicher Heuriger ebenfalls gesorgt.
Das bekannteste Ereignis ist die Genussmeile. An zwei Wochenenden im September wird ein rund 15 Kilometer langer Abschnitt des 1. Wiener Wasserleitungswanderwegs zur laut Veranstalter längsten Schank der Welt. Winzer*innen bewirten Stände direkt in den Weingärten und ihr kostet euch von Station zu Station.
Am liebsten wandern wir aber durch die Weingärten an der Südbahn, wenn keine große Veranstaltung ist. Es gibt trotzdem reichlich Labestationen, man hat keine Wartezeiten, man muss nicht um den Sitzplatz kämpfen und in den berühmten Weinbaugemeinden kann man den Tag beim Heurigen ausklingen lassen.
Die lokalen Spezialitäten Rotgipfler und Zierfandler könnt ihr am besten genießen, wenn niemand mit dem Auto fährt – alle Ortschaften sind an das Schnellbahnnetz angebunden.

Wein und Geschichte in Klosterneuburg
Noch näher liegt Klosterneuburg. Von Wien aus seid ihr in kürzester Zeit mitten in den Weinbergen – und könnt den Ausflug mit einem Besuch des Stifts Klosterneuburg verbinden. Das dortige Weingut kann auf eine Geschichte bis ins Jahr 1114 zurückblicken und gilt als ältestes Weingut Österreichs.
In der Stiftsvinothek kann man verkosten und einkaufen, besonders spannend ist das Archiv, in dem ihr nach eurem Geburtsjahrgang fragen könnt. Achtung: Normale Geschäftsöffnungszeiten. Danach könnt ihr in der Agnes Weinbar weiter genießen.
Die Gegend eignet sich aber auch bestens zum Spazieren. Rund um den Buchberg und den Ölberg führen Wege durch die Weingärten, zwischendurch gibt es immer wieder schöne Ausblicke auf die Donau und Richtung Wien.
Danach wartet eine ziemlich beachtliche Auswahl an Heurigen. Klosterneuburg ist deshalb ideal, wenn ihr nicht den ganzen Tag unterwegs sein wollt. Vormittags durch die Weingärten, nachmittags ein Glas Grüner Veltliner oder Riesling – und am Abend seid ihr schon wieder in Wien. Idealerweise mit der Schnellbahn.

Bei Gruber Röschitz historische Kellergänge erforschen
Wer ein bisschen mehr Zeit mitbringt, fährt weiter ins Weinviertel nach Röschitz. Familie Gruber hat hier ein topmodernes Weingut errichtet, auf dem man mit Blick in die Landschaft die großartigen Bio-Weine verkosten und erwerben kann. Und den Sekt nicht vergessen!
1000er-Tipp: Führung mit Verkostung. Dabei geht es vom Verkostungsraum in die Kellergasse und weiter in zusammengelegte und entsprechend verwinkelte Gewölbekeller. Um am Ende wieder im modernen Teil zu landen. Besonders spannend ist der Kontrast zwischen alter Weinviertler Kellerkultur und zeitgemäßer Weinproduktion. Das neue Betriebsgebäude wurde tief in die Erde gebaut, um natürliche Kühlung zu ermöglichen.
Danach solltet ihr euch noch Zeit für die Umgebung nehmen. Röschitz liegt am Übergang zum Waldviertel, die Landschaft ist hügelig, die Kellergassen malerisch und die Heurigen authentisch und noch günstig. Ins Glas kommt bevorzugt superwürziger Grüner Veltliner.

Durch Poysdorfs Kellergassen ziehen
Wenn es um Wein-Ausflüge im Weinviertel geht, darf die Weinstadt Poysdorf nicht fehlen. Der Beiname verrät den vinophilen Stellenwert, verschweigt aber die ausgeprägte Sekt-Kompetenz der hiesigen Weingüter. Aus dieser Ecke des Weinviertels kommen die meisten Grundweine für die großen Sektkellereien.
Ein guter Ausgangspunkt ist die WEIN+TRAUBEN Welt im Vino Versum Poysdorf. Von dort könnt ihr die Stadt und ihre Kellergassen erkunden oder zu einer Wanderung in die Weinberge aufbrechen. Besonders sehenswert ist die Kellergstetten, eine der charakteristischen Kellergassen der Stadt. (W)Einkaufen kann man in der Gebietsvinothek im Vino Versum und in der Sektwelt erfährt ihr, wie die Perlen in den Schaumwein kommen.
Rund um Poysdorf gibt es außerdem zahlreiche Rad- und Wanderwege durch die sanfte Weinviertler Hügellandschaft. Wir belohnen uns mit einem Weinviertel DAC, einem typischen Grünen Veltliner.

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Den Weinweg Langenlois erkunden
Weiter geht es nach Langenlois, der mittlerweile unwidersprochen größten Weinstadt Österreichs. Eine diesbezügliche Rivalität mit Gols hat man typisch österreichisch gelöst, die burgenländische Wein-Metropole nennt sich jetzt größte Weinbaugemeinde des Landes.
Der WEINWEG Langenlois startet beim Ursin Haus beziehungsweise bei der LOISIUM WeinWelt (eigentlich ein Ausflugsziel für sich) und führt auf knapp sechs Kilometern durch bekannte Rieden wie Dechant, Käferberg, Steinhaus und Schenkenbichl. Zwischen den Reben tauchen eine riesige Rebschere, ein überdimensionaler Regenwurm und ein Riesen-Sektrüttelpult auf.
Noch wichtiger: Auch der Wein kommt nicht zu kurz. Entlang der Strecke gibt es Weinsafes in Weingartenhütten. Den Schlüssel und das Degustationsset mit Glas bekommt ihr nach Voranmeldung im Ursin Haus. An ausgewählten Terminen schenken außerdem Winzer*innen direkt in den Weingärten aus.
Danach könnt ihr euch im Ursin Haus weiter durch das Kamptal kosten, die LOISIUM WeinWelt besuchen oder zur Warte am berühmten Heiligenstein hinauf wandern (1000er-Tipp: Den Schlüssel für die Aussichtswarte bekommt man in lokalen Wirtshäusern oder auch im Ursin Haus).

Weinwandern in Göttlesbrunn
Wir fahren Richtung Flughafen, aber dann noch ein Stückerl weiter in die Weinregion Carnuntum, eines der spannendsten Rotweingebiete Niederösterreichs. Göttlesbrunn ist ein ideales Ziel, wenn ihr Weinwandern mit einem Besuch bei Weingütern verbinden wollt.
Die Göttlesbrunner Weinberge lassen sich auf mehreren Wegen erkunden. Besonders bekannt ist der Weinwanderweg rund um den Ort, der durch die Rieden führt und immer wieder schöne Ausblicke bietet. Dass sich hier vieles um Wein dreht, ist nicht zu übersehen: In dem kleinen Ort gibt es eine erstaunliche Dichte an hervorragenden Betrieben.
Carnuntum steht vor allem für Zweigelt und Blaufränkisch, daneben spielen internationale Sorten eine wichtige Rolle. Es gibt einige empfehlenswerte Heurige, Göttlesbrunn selbst steht für lebendige Wirtshauskultur (DER jungWIRT!).
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Mehr InformationenEinen Tag in der Wachau verbringen
Auch wenn die Wachau der Klassiker unter den Klassikern ist, kann man keine Wein-Ausflugstipps ohne Wachau bringen. Schon die Anfahrt nach Dürnstein mit der dramatischen Ruine (1000er-Tipp: very instagrammable, aber auch very steil) ist spektakulär.
In Dürnstein liegt die Domäne Wachau mit ihrem historischen Weinkeller, wo Leopold Figl der Legende nach die Russen unter den Tisch gesoffen hat. Für eine Kellerführung muss man sich anmelden, verkosten kann man immer zu den Öffnungszeiten.
Für einen Tagesausflug müsst ihr gar nicht versuchen, die ganze Wachau zu erkunden, dafür ist sie zu groß. Sehr schön ist beispielsweise die Gegend zwischen Weißenkirchen und Spitz. Eine Etappe des Welterbesteigs verbindet die beiden Orte auf rund zehn Kilometern. Mit einigen Höhenmetern ist die Tour schon etwas sportlicher, dafür bekommt ihr reichlich Wachau-Panorama.
Wer es gemütlicher mag, spaziert nur ein Stück durch die Weinberge, besucht ein oder zwei Weingüter und setzt sich danach an die Donau. Grüner Veltliner und Riesling sind dabei natürlich Pflicht. Federspiel, wenn es leichter sein soll, Smaragd steht für die Königsklasse.

Zwischen Leithaberg und Neusiedler See
Für unseren Burgenland-Ausflug bleiben wir im Norden. Jois, Winden und Purbach sind von Wien aus schnell erreicht und bieten ziemlich genau die Kombination, die wir suchen: Weingärten, spannende Weingüter, Wanderwege und immer wieder den Blick auf den Neusiedler See.
Eine schöne Runde führt von Jois Richtung Winden und zu den berühmten Weinbergen Hackelsberg und Jungerberg. Wer weniger weit gehen möchte, nimmt den Joiser Weinlehrpfad. Besonders schön ist die Gegend im Frühling zur Kirschblüte und im Herbst, wenn sich das Rebenmeer verfärbt. Einkehrmöglichkeiten mit entsprechender Weinkultur gibt es in den Ortschaften einige, besonders stimmig finden wir die historische Kellergasse in Purbach.
Weintechnisch wird es am Leithaberg nie langweilig. Kalk und Schiefer sorgen auf kleinem Raum für unterschiedliche Bedingungen. Chardonnay, Grünen Veltliner und Blaufränkisch solltet ihr hier probieren, diese Sorten transportieren die Herkunft besonders gut.

Raus aus Wien, rein in den Wein
Das Beste an diesen Ausflügen: Ihr müsst weder Urlaub nehmen noch ein ganzes Wochenende verplanen. Klosterneuburg und die Thermenregion liegen fast vor der Haustür, Göttlesbrunn bringt Abwechslung für Rotweinfans und Langenlois verbindet Wein und Wandern besonders unkompliziert. Für großes Landschaftskino geht es in die Wachau oder an den Leithaberg, während Röschitz und Poysdorf tief ins Weinviertel führen.
Für noch mehr bleibende Eindrücke sorgen Besuche direkt in den Weingütern. Wenn Winzer*innen die Verkostungen selbst machen, lernt man am meisten. Natürlich wird es sehr geschätzt, wenn man sich vorher anmeldet und wenn man ausgiebig verkostet, dann wird auch erwartet, dass man ausgiebig einkauft.
Und noch ein Hinweis am Ende: Fast alle Weingüter Österreichs sind Familienbetriebe und die Sonntage gehören den Familien.
Bleibt eigentlich nur noch eine schwierige Entscheidung: Veltliner, Riesling, Rotgipfler oder Blaufränkisch?
Dieser Artikel ist in redaktioneller Kooperation mit Gault&Millau entstanden. Der Restaurantführer zeichnet Jahr für Jahr die besten Betriebe, Weingüter und Gastronom*innen aus und vergibt die weltweit bekannten Hauben-Auszeichnungen.
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