Harry’s Piccolo Triest: So schmeckt Fine-Dining zwischen Meeresbrise und Bergluft
Was passiert, wenn ein Koch aus den Dolomiten und einer aus Triest ihre Heimaten auf einem Teller verschmelzen lassen? Im 2-Michelin-Sterne-Restaurant Harry’s Piccolo in Triest lautet die Antwort: ziemlich viel. Und ziemlich viel davon schmeckt verdammt gut.
Aber von vorne: Ein Besuch im Harry’s Piccolo beginnt vom ersten Moment an mit einem Gefühl des Nachhausekommens. Wenn ihr vor der großen hölzernen Tür mitten im historischen Zentrum der Hafenstadt steht, heißt es erst einmal: Türklingel läuten. Die Tür öffnet sich und euch begrüßt der erste Service-Mitarbeiter mit einem großen, herzlichen Lächeln: „Herzlich willkommen bei Harry’s Piccolo.“
Wenn Sterneküche nach Zuhause schmeckt
Von der ersten Sekunde an liegt hier eine wohlige Wärme in der Luft. Alle, die euch im 2-Michelin-Sterne-Restaurant Harry’s Piccolo begegnen – vom Service über den hauseigenen Sommelier bis hin zu den beiden Köchen –, scheinen dasselbe Ziel zu verfolgen: Ihr sollt euch wie Menschen fühlen, die gerade eine persönliche Einladung in ein besonders schönes Zuhause bekommen haben – nur eben mit richtig feinem Essen.
Seit August 2025 ist dieses Zuhause ein neues. Die beiden Chefköche Davide De Pra und Matteo Metullio sind mit dem Harry’s Piccolo in die Via San Nicolò gezogen. Mit der neuen Adresse kam auch die Möglichkeit, ihre Vorstellung von einem Restaurant noch konsequenter umzusetzen: eine offene Küche mitten im Raum, wenige Tische, minimalistisches Design und möglichst wenig Distanz zwischen Küche und Gast. „Das ist unser neues Zuhause und endlich können wir uns voll und ganz entfalten“, erzählt Davide.
Ich glaube, der Erfolg von ‚Harry’s Piccolo‘ an diesem neuen Standort lässt sich in einem einzigen Adjektiv, in einem einzigen Wort zusammenfassen – und das ist Herzlichkeit, auf italienisch accoglienza.
Matteo Metullio, Chefkoch im Harry’s Piccolo

Zwei Köche, die ohne einander nicht können
Doch wer sind eigentlich die beiden? Die Antwort ist schnell erzählt und gleichzeitig ziemlich schön: Matteo Metullio ist ein echtes Kind Triests, Davide De Pra stammt aus Falcade mitten in den Dolomiten. Der eine ist also am Meer aufgewachsen, der andere in den Bergen. Und genau diese beiden Welten treffen heute im Harry’s Piccolo aufeinander.
Bei Matteo war die Sache mit dem Kochen früh klar. Mit gerade einmal zwölf Jahren wusste er bereits, wohin die Reise gehen sollte: in die Küche. Mit 14 besuchte er die Hotelfachschule in Falcade und entschied sich damit – ein bisschen vereinfacht gesagt – gegen den Fußball und für den Herd. Seine ersten wichtigen Erfahrungen sammelte er bei Oscar Tibolla im Alle Codole in Canale d’Agordo. Später ging es für vier Jahre zum 3-Sterne-Koch Norbert Niederkofler in der Alta Badia.

Und dann ist da Davide. Bei ihm war die Küche quasi schon Teil des Familienlebens. Seine Eltern betrieben ein Hotel mit Restaurant und Pizzeria direkt an den Skipisten in Falcade. Zwischen Skiern, Pisten und Kochtöpfen wuchs in Davide deshalb schon früh eine zweite, große Leidenschaft heran. „Ich hatte schon immer zwei große Leidenschaften. Die eine war das Skifahren und die andere das Kochen“, erzählt Davide. Beides verfolgte er lange Zeit parallel: Er besuchte das Ski-College und die Hotelfachschule, wurde Skitrainer und stand gleichzeitig in den Küchen verschiedener alpiner Restaurants.
Dass aus den beiden irgendwann ein kulinarisches Dreamteam werden würde, war zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht abzusehen. Kennengelernt haben sich Matteo und Davide allerdings schon früh im Alle Codole. Jahre später sollten sich ihre Wege erneut kreuzen. Und diesmal blieb es nicht bei einer Begegnung.
Von den Dolomiten zurück nach Triest
2013 übernahm Matteo die Küche des Restaurants La Siriola im Hotel Ciasa Salares in San Cassiano und holte Davide an seine Seite. Gemeinsam entwickelten sie dort ihre Küche weiter und wurden 2017 bereits mit dem zweiten Michelin-Stern ausgezeichnet. Ihre gemeinsame Geschichte begann – seitdem sind die beiden quasi unzertrennlich!
Im selben Jahr entstand die Idee für das nächste gemeinsame Kapitel: die gehobene Küche zurück nach Triest zu bringen – und damit in Matteos Heimatstadt. Schnell bekam die Vision einen Namen: Harry’s Piccolo. 2018 öffnete das Restaurant erstmals seine Türen in Triest. Noch im selben Jahr folgte der erste Michelin-Stern, 2020 kam der zweite dazu. Aus dem Projekt zweier Köche, die ihre unterschiedlichen Wurzeln zusammenbringen wollten, war damit eines der kulinarischen Aushängeschilder der Stadt geworden.

Wo Meer und Berg zur Geschmacksexplosion verschmelzen
Triest auf der einen Seite, die Dolomiten auf der anderen. Klingt erst einmal nach einem ziemlich großen Gegensatz. Und genau darin liegt die Idee hinter der Küche der beiden. „Unsere erste Philosophie ist die Philosophie der Begegnung“, erzählt Davide. „Die Begegnung zwischen Meer und Bergen.“ Matteo, der aus Triest stammt, bringt die Welt der Adria mit an den Herd. Davide steht für die Berge, die Dolomiten und seine alpine Heimat.
Und diese beiden Einflüsse verschmelzen in der Open Kitchen im Harry’s Piccolo zu einem ziemlich genialen Menü. Der Abend beginnt mit zwei Grüßen aus der Küche. Einer davon: ein kleiner Taco mit aufgeschlagenem Kabeljau, grünem Pfeffer und Waldsauerklee. Klein, aber WOW – definitiv ein erster Vorgeschmack darauf, was an diesem Abend noch kommt.

Danach geht es Gang für Gang weiter, einer ist dabei beeindruckender als der nächste. Von Spaghettino mit Sardellen, Kaisergranat, Basilikum und Holzkohleöl bis hin zu Steinbutt mit Spinat, Gänseleber, schwarzem Trüffel und Morcheln. Was dabei besonders auffällt: Hier schmeckt man tatsächlich jede einzelne Zutat heraus. Nichts wirkt überladen oder zufällig.
Die Aromen greifen ineinander, ohne sich gegenseitig die Show zu stehlen. Und die beiden Köche haben eine große Liebe zum Detail – wirklich nichts ist dem Zufall überlassen.
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Hochwertige Zutaten von nah und fern
Doch nicht nur die unterschiedlichen Wurzeln der beiden Köche machen Harry’s Piccolo besonders. Matteo und Davide verfolgen auch eine ganz eigene Vorstellung davon, woher ihre Zutaten kommen sollen. Sie nennen sie „chilometro vero“ – den „wahren Kilometer“.
Die Idee dahinter: Die beste Zutat muss nicht zwangsläufig aus der unmittelbaren Umgebung kommen. Für Matteo und Davide zählt also nicht, ob ein Produkt fünf, 50 oder 500 Kilometer entfernt seinen Ursprung hat – entscheidend ist die Qualität. Dafür suchen sie nach herausragenden Produkten, arbeiten mit Produzent*innen, Fischer*innen und Züchter*innen zusammen und schauen genau hin, woher ihre Zutaten kommen und wie diese hergestellt werden.
„Qualität steht an erster Stelle“, erklärt Matteo. Kommt das beste Produkt aus der Region, desto schöner – dann erzählt es gleichzeitig ein Stück ihrer Heimat. Wenn die beste Zutat aber von weiter weg kommt, darf sie genauso ihren Weg nach Triest und in die Küche der beiden finden.

Fine-Dining mit Wohlfühlcharakter & Kochshow
Im Harry’s Piccolo entfaltet sich ein kulinarisches Erlebnis, das jeden Cent wert ist. Gewählt werden kann zwischen mehreren Degustationsmenüs – darunter eines mit Fokus auf Fisch aus Meer, See und Fluss, ein Signature-Menü sowie L’Incontro – ein Menü, das die kulinarischen Einflüsse der Adria und der Dolomiten zusammenführt. Los geht es ab 210 Euro für sieben Gänge inklusive mehrerer Grüße aus der Küche.
Während des ganzen Abends kann man durch die offene Küche beobachten, wie das Team perfekt zusammenspielt. Jeder Handgriff sitzt, jeder Teller wird mit höchster Präzision angerichtet. Und trotzdem wirkt nichts steif oder aufgesetzt.
Vielleicht liegt genau darin eine der größten Stärken von Harry’s Piccolo: Trotz Fine-Dining mit zwei Michelin-Sternen bleibt Raum für Bodenständigkeit. Der Service ist bewusst puristisch gehalten. Kein unnötiger Schnickschnack, dafür aber viel Aufmerksamkeit fürs Detail, perfektes Timing und eine spürbare Leidenschaft daran, den Gästen einen besonderen Abend zu bereiten.

Eine Leidenschaft, die auf der Zunge schmilzt
Und während man Matteo und Davide bei der Arbeit zusieht, wird auch schnell klar: Die beiden haben ihre unterschiedlichen Stärken nicht gegeneinander ausgespielt, sondern zu etwas Neuem – etwas noch Stärkerem – verbunden. Und sie haben wahnsinnig viel Spaß dabei! Davide bringt es selbst ziemlich schön auf den Punkt:
Wenn sich zwei starke Persönlichkeiten, die immer versuchen, das Beste zu geben, für ein gemeinsames Ziel zusammentun, gelingt es, noch mehr Menschen glücklich zu machen.
Davide De Pra, Chefkoch im Harry’s Piccolo
Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis nach diesem Abend: Hinter den zwei Michelin-Sternen, den perfekt angerichteten Tellern und den außergewöhnlichen Zutaten stehen zwei Menschen, die einfach unglaublich gerne kochen – und ihre Begeisterung am liebsten mit ihren Gästen teilen. Oder, um es in Matteos Worten zu sagen: „Wir hoffen, dass dieses Abenteuer zusammen niemals endet.“

Die wichtigsten Infos zur Harry’s Piccolo:
- Wiedereröffnet mit neuer Location im August 2025
- Open Kitchen – Gäste können Kochkünste hautnah miterleben
- hauseigener Weinsommelier
- Chefköche Davide de Pra & Matteo Metullio arbeiten seit 2013 zusammen
- Auszeichnungen: 2-Michelin-Sterne
- verschiedene Menüs: mit Fisch aus Meer, See & Fluss, Signature Dishes oder L’Incontro – Kombination aus Adria & Dolomiten
- Kostenpunkt: ab 210 €
- Öffnungszeiten: SO & MO geschlossen
- Reservierung: unbedingt vorab einen Tisch reservieren
- Neueröffnung: Harry’s Piccolo Poreč (1-Michelin-Stern)
5 Fragen an Davide De Pra und Matteo Metullio
1000things Magazine: Was ist eure absolute Lieblinszutat?
Davide: Für mich gibt es in unserer Küche nicht die eine Zutat, die über allen anderen steht. Wir arbeiten mit sehr vielen Produkten von außergewöhnlicher Qualität. Entscheidend ist, dass wir jede einzelne Zutat respektieren und ihr ihren Raum geben. Und da haben wir hier in Triest mit dem Golf vor der Haustür natürlich großes Glück – wir haben Zugang zu unglaublich vielen hervorragenden Produkten.
Matteo: Da stimme ich Davide voll und ganz zu. Aber wenn ich persönlich eine Zutat nennen müsste, könnte ich mir eine Speisekarte im Harry’s Piccolo niemals ohne Tomaten vorstellen. Sie ist meine absolute Lieblingsfrucht.
1000things Magazine: Wenn Triest eine Zutat oder ein Gericht wäre, welche wäre es?
Davide: Eine Zutat, die mich sofort – sobald ich sie rieche, und ihren scharfen, rauen, langanhaltenden Geschmack spüre – an Triest erinnert, ist der Meerrettich.
Matteo: Aus dem Stegreif ist das absolut nicht einfach zu beantworten, weil Triest eine mitteleuropäische Stadt ist, die sehr vielen Facetten und viele Einflüsse aus mehreren Teilen der Welt hat. Da ich Triestiner bin, ist mein persönliches Herzensgericht der lokalen Küche aber definitiv die Jota, eine Bohnensuppe mit Kartoffeln, Sauerkraut und geräuchertem Schweinefleisch.
1000things Magazine: Gibt es abseits der Sterneküche ein kulinarisches „Guilty Pleasure“, das man von euch so gar nicht erwarten würde?
Matteo: Ich muss ab und zu einfach einen Burger von McDonald’s essen.
Davide: Nutella. Ich versuche, so wenig wie möglich davon zu kaufen, um sie nicht auf einmal aufzuessen.
1000things Magazine: Was ist euer absolute Lieblingsort in Triest?
Matteo: Definitiv der Spaziergang an der Strandpromenade von Barcola bis hin zum Schloss Miramare. Für mich ist das der Ort in Triest, der mich am glücklichsten macht.
Davide: Ein Ort, den ich gastronomisch sehr mag – auch wenn es eine, sagen wir, etwas andere Art der Gastronomie ist –, ist eine Osmiza*. Ich gehe oft hoch auf den Karst zur Osmiza Gabrovec.
*Anmerkung der Redaktion: In Triest gibt es Heurige, die sich Osmize nennen und aus der slowenischen Tradition stammen. Es werden selbst produzierte Weine ausgeschenkt und und regionale Spezialitäten wie Wurst und Käse serviert.