Über große Ohrwascheln, Traditionen und das Zuhören: Zu Gast bei Marie und Wolfgang Gröller, Post am See
Es gibt Häuser, die sind mehr als nur bloße Fassade. Häuser, die Geschichte schreiben und die von Persönlichkeit nur so strotzen. Häuser, in die man gerne zurückkehrt und die Gastfreundschaft nicht nur großschreiben, sondern durch und durch leben. Bei Zu Gast bei sprechen wir mit besonderen Gastgeber*innen aus dem Alpenraum, echt und auf Augenhöhe. Dieses Mal sind wir zu Besuch bei Familie Gröller in Traunkirchen.
Mit der Post am See und dem Seehotel Das Traunsee finden Gäste keinen Ort zum bloßen Übernachten. Vielmehr erwartet sie hier ein Gesamtkunstwerk aus Geschichte, Design und feinster Kulinarik. Bereits in dritter Generation familiengeführt, weiß Familie Gröller genau, was gutes Gastgebertum ausmacht – und vor allem auch, dass ein Traditionshaus mehr kann. Denn wer hier eintritt, besinnt sich sofort auf die schönen Dinge des Lebens. Zwei Häuser, die zum Verweilen, Genießen und Wiederkommen einladen.

Wolfgang Gröller führt den Betrieb, den sein Großvater einst gegründet hat, mit Leib und Seele und nun seit 18 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Monika. Das Schöne an einem, genauer gesagt diesem Familienbetrieb? Er wächst weiter – und zwar in Form von Tochter Marie. „Ich habe das Wirtsgen einfach in die Wiege gelegt bekommen“, lacht Marie, die vor zweieinhalb Jahren voll in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist und heute das Marketing und die Reservierungen leitet.
Ich glaube nicht, dass sich wahnsinnig viel geändert hat im Gastgeben. Man muss die Gäste als Freunde behandeln und und dann funktioniert das gut.
WOLFGANG GRÖLLER

Regional, innovativ – aber stets nach den Saisonen
Dass der Traunsee die perfekte Kulisse für eine kleine Auszeit vom Alltagstrubel bietet, ist kein Geheimnis. Doch die Gröllers belassen es nicht bei schöner Aussicht, sondern haben aus ihren zwei Hotels auf der Halbinsel Traunkirchen einen wahren Kulinarik-Kosmos geschaffen. „Egal in welchem Haus man aufwacht, der Blick geht immer direkt aufs Wasser“, erklärt Marie. Doch auch wenn der Traunsee allein bereits zum Träumen einlädt, warten die Post am See und Das Traunsee mit weitaus mehr auf als reiner Seelage – und zwar in puncto Kulinarik.

Für das kulinarische Herzstück sorgt Küchenchef und Haubenkoch Lukas Nagl, der seit 15 Jahren Teil des Teams ist und die Gastronomie vor Ort maßgeblich prägt und mitgestaltet. Das Besondere an den hier servierten Gerichten? Die Zutaten, die konsequent regional und saisonal bezogen werden. „Wir kennen alle unsere Lieferantinnen und Lieferanten beim Namen – also die Menschen, nicht die Tiere“, lacht Wolfgang.
Für uns ist schon wichtig, dass alles Bio ist und ordentliche Auszeichnungen hat, aber noch viel wichtiger ist uns, dass wir die Menschen kennen, die dahinterstehen, ja? Und wir versuchen, mit den Lieferanten zusammen neue Wege zu beschreiten.
Wolfgang gröller

Traunkirchen als Kulinarik-Kosmos
Gekocht wird gemäß diesem Credo in drei völlig unterschiedlichen Welten: Vom traditionell-urigen Wirtshaus in der Poststube 1327 über das urbane, international angehauchte Sharing-Konzept in der Belétage bis hin zum Fine Dining im Bootshaus auf Sterneniveau. Mit Letzterem mischt Familie Gröller samt Team seit Jahren ganz vorne mit. „Das haben wir nie vorgehabt, aber es hat sich so entwickelt“, erzählt Wolfgang Gröller. „Ich glaube, wir haben da ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal geschaffen, indem wir uns sehr intensiv mit unserer Region auseinandergesetzt haben und mit dem, was uns eigentlich wichtig ist.“
Was das Menü im Bootshaus so besonders macht? Hier gibt es keine klassische Speisekarte. „Wir kochen dort immer das, was uns die Sammler, Jäger und Fischer gerade bringen. Das wird in einem Warenkorb präsentiert, und daraus zaubern wir dann ein schönes Menü“, erklärt er. Jeden Abend neu – und zwar ganz ohne Kompromisse..

Der Wirt als Psychologe
In einer Welt, die immer schneller, digitaler und oft auch anonymer wird, setzen die Gröllers ganz bewusst auf das genaue Gegenteil: echte, ungefilterte Menschlichkeit. Am Ende des Tages geht es hier am Traunsee nicht um steife Etikette, sondern um das Gefühl, nach Hause zu kommen. „Einen guten Gastgeber macht aus, dass er zuhören kann.
Ich glaube, dass wir als Wirte ein bisschen den Psychologen ersetzen – jemand, dem man persönliche Dinge erzählen kann, die kein anderer mitkriegt. Die bleiben dann in dem Haus, in dem man sie erzählt. Und dafür braucht man große Ohrwascheln, man muss einfach gut zuhören können“, lacht Wolfgang Gröller.
Ein guter Gastgeber muss muss sich spüren lassen im im Haus. Ich finde das sehr wichtig.
Wolfgang Gröller

Dieses Vertrauen kommt keinesfalls von ungefähr: In beiden Häusern steht die Familie als Gastgeber in jeder Sekunde dahinter. Auch nach 35 Jahren im Betrieb verbringt Wolfgang Gröller noch immer viel Zeit direkt bei und mit seinen Gästen. „Das ist manchmal verdammt anstrengend, aber es macht einfach riesigen Spaß“, gibt er offen zu.
„Die Leute erwarten sich das bei uns einfach.Es steht eine Familie dahinter und nicht irgendein großer Konzern. Und auch wenn wir schon eine gewisse Größe erreicht haben, möchten die Gäste die Familie spüren. Es ist ein bisschen so, wie zu Freunden in den Urlaub zu fahren.“

Melde dich zum Magazine Newsletter an!
Die besten Tipps für Österreich und darüber hinaus in deinem Postfach: die schönsten Reisetipps, coole Ausflugsziele, spannende Events, exklusive Gewinnspiele und vieles mehr.
4 Fragen an Marie und Wolfgang Gröller
1000things Magazine: Was ist das Schöne am Gastgeben?
Marie Gröller: Am Gastgeben macht, finde ich, einfach am meisten Spaß, dass man immer wieder neue Personen trifft und irgendwie auch ein bisschen reinspüren kann. Was bringen die mit – welche Interessen, welche Lüste, und dass man dann einfach gemeinsam einen coolen Weg finden kann, sie glücklich zu machen. Ob das jetzt kulinarisch ist, aber auch bei uns natürlich in den Hotels, einfach den Gästen dann eine schöne Zeit bereiten.

1000things Magazine: Was macht den Winter bei euch so besonders?
Wolfgang Gröller: Das Brauchtum. Das ist einfach … Die Leute da im Salzkammergut waren furchtbar arm. Haben nichts gehabt und haben aber irgendwas gebraucht, dass sie durch den Winter kommen, weil im Winter hat man nicht arbeiten können, man hat die Felder nicht bestellen können. Es war einfach eine schlechte Zeit, ja? Und so hat man Gebräuche gepflogen, die einen durch den Winter gebracht haben.
Das ist, wie es das Krippenwesen, wie der Glöcklerlauf, wie der Fasching mit mit dem Fetzten in Ebensee und mit den Flinserln in Bad Aussee, von Leichnamsprozessionen, solche Dinge… oder das Antlas-Singen am Gründonnerstag. Das sind Dinge gewesen, auf die hat man sich gefreut, und so hat man den Winter schneller umgebracht, bis man dann wieder endlich arbeiten konnte. Und drum gibt es keine zweite Region in Österreich, die so viel Gebräuche vor allem im Winter hat wie das Salzkammergut, und wo das auch noch so so lebendig ist, wo man’s wirklich auch als Gast erleben kann, ne?

1000things Magazine: Wie soll sich ein Gast bei euch fühlen, wenn er ankommt, wenn er da ist?
Wolfgang Gröller: Ein Gast soll sich bei uns zu Hause fühlen, einfach, ja? Der soll… ihm soll nichts abgehen, was er zu Hause auch hat, und er soll sich bestens betreut fühlen. Und er soll ein bisschen ein Stück unserer Heimat mit mitnehmen, also schon die Möglichkeit haben zu erfahren, wo er ist, ja?
Also, das finde ich ganz ganz wichtig, ja? Und trotzdem soll er heimgehen und sagen: „Hey, die haben das cool gemacht, da hätte ich auch gern so Lampen“, oder „Die haben sich was überlegt dabei.“ Das macht uns natürlich auch Spaß, wenn wir merken, dass die Gäste das, was wir für sie gemacht haben, schätzen und und dann auch fragen: „Wo habt ihr denn das her?“

1000things Magazine: Wolfgang, was ist dein Lieblingsplatz?
Wolfgang Gröller: Mein Lieblingsplatz… Wir haben ja meistens im Winter das Seehotel für eineinhalb, zwei Monate geschlossen. Und da verbringe ich am liebsten jede freie Minute in der Sauna unten, im Wellnessbereich. Ich habe mir sogar einen Fernseher eingebaut (lacht) Der… wo die Fernsteuerung gut versteckt ist, dass man nicht fernsehen kann, aber im Winter…
Also, ich verbringe einen ganzen Tag da unten, nehme immer meinen Laptop mit und schaue am See. Und finde das eine eine fantastisch schöne Zeit da unten.

Familie Gröller im Überblick
- Herkunft: Traunkirchen, Oberösterreich
- Familienbetrieb: derzeit in dritter Generation geführt
- Auszeichnung: vier Hauben, ein Stern
- Küche: drei Restaurantwelten in einem – Casual & Fine Dining plus Wirtshaus
- Hotels: zwei Häuser, direkt nebeneinander