Über Ecken und Kanten, die Liebe zum Detail und das vielleicht beste Schnitzel im Pongau: Zu Gast bei Maria und Tom Heidenreich, stieg’nhaus
Es gibt Häuser, die sind mehr als nur eine bloße Fassade. Häuser, die Geschichte schreiben und die von Persönlichkeit nur so strotzen. Häuser, in die man gerne zurückkehrt und die Gastfreundschaft nicht nur großschreiben, sondern auf allen Ebenen durch und durch leben. Bei Zu Gast bei sprechen wir mit besonderen Gastgeber*innen aus dem Alpenraum, echt und auf Augenhöhe. Dieses Mal sind wir zu Besuch bei Maria und Tom Heidenreich.
Seit letztem Jahr hat Mühlbach am Hochkönig einen ganz besonderen Zuwachs bekommen – wobei: Streng genommen hat sich das ehemalige Mesnerhaus neben der Kirche zwar nicht neu erbaut, aber quasi neu erfunden und ganz besonders schön herausgeputzt. Wodurch das stieg’nhaus vor allem besticht? Durch die Liebe zum Detail – und zwar auf allen Stockwerken des Hauses.
Das Haus zeigt sich dabei bewusst zurückhaltend, mit viel Raum für feine Dinge und zahlreiche, von Gastgeberin Maria selbst kuratierte Details. Obendrein lädt ein traumhaftes Panorama auf die umliegende Bergwelt samt Rooftop-Spa zum Entspannen ein. Ein, zwei Gänge zurückschalten? Das lässt es sich im stieg’nhaus ganz wunderbar machen.

Worauf Maria und Tom Heidenreich beim Umbau des Hauses besonders großen Wert gelegt haben? „Ich glaube, man spürt einfach, wenn sich Menschen extrem viele Gedanken machen und Energie irgendwo reingesteckt haben. Das, glaube ich, das ist unvermeidlich, also spürt jeder Mensch, egal, wo man dann hingeht, wenn jemand wenn das irgendwie passiert ist, dann spürt man das. Und ich glaube, das ist es am Ende des Tages, weil der Rest ist ja trotzdem unterschiedlich, also jeder hat andere Ansichten über irgendwas oder andere Geschmäcker –, aber diese Energie, ich glaube, die kannst du nicht wegdiskutieren.“

Im stieg’nhaus ticken die Uhren anders
Wer das stieg’nhaus durch die große Eingangstür betritt, der*die wird sofort von einer wohligen Wärme und Ruhe empfangen. Gerade Linien treffen hier auf runde Elemente – Ecken und Kanten finden sich hier kaum, mit Ausnahme des großen Steinblocks als Bar und Tresen. „Wir haben uns die Räume vorgestellt, wie soll sich das anfühlen, wenn du reingehst, was ist da wichtig, wie sollen die Laufwege sein, wie soll deswegen viele Rundungen, der positive Energiefluss, viele Naturmaterialien, das alles ist das Zusammenspiel, die ganze Architektur, ähm mit Gerüchen, mit Licht. Und das Ganze ergibt dann, wenn man es gut tut, so ein warmes Gefühl, aber du weißt im ersten Moment gar nicht, warum“, erklärt Tom.

Doch worum geht es den beiden Gastgeber*innen in ihren vier Wänden, die von außen gar so unscheinbar wirken und sich ganz natürlich in die Beschaffenheit des Ortskerns eingliedern? „Einfach um das Gefühl, wenn du reinkommst, dass du ein bisschen in eine andere Welt abdriftest. Also dass du sagst: ‚Okay, ich komme jetzt hier rein und dann spür ich da was und es ist einfach irgendwie was Besonderes.‘ Ich komme da rein, fühle mich zu Hause und gut aufgehoben. Ich sehe die Materialien und habe das Feeling, dass das Haus genau das ausstrahlt – dass man das einfach spürt“, beschreibt Maria.
Es ist alles erlesen und handgemacht. Es gibt hier nichts, was nicht special ist.
TOm heidenreich
Namensgebend für das Haus ist das – nach wie vor erhaltene – Stiegenhaus, das zu Maria Heidenreichs liebstem Platz im ganzen Haus zählt. Aber was macht die Stufen so besonders? „Eigentlich war das der ausschlaggebende Punkt, warum wir das Haus überhaupt gekauft haben. Von außen schaut das Haus ja ein bisschen unscheinbar aus. Als wir damals reingekommen sind – wir kannten bis dahin nur das Restaurant –, haben wir gar nicht gewusst, was uns in den restlichen Stockwerken eigentlich erwartet. Und dann standen wir hier und haben uns sofort in dieses Stiegenhaus verliebt: in das wunderschöne Messing, das alte Metall, die abgerundeten Wände und auch darin, dass man so ein Treppenhaus heutzutage gar nicht mehr so häufig sieht oder baut.“


Das Haus ist zwar nicht so alt, aber durch dieses gerundete Treppenhaus macht das halt irgendwie so einen gewissen Charakter und so einen schönen Flair. Und da haben wir uns halt irgendwie direkt gleich drin verliebt.
MARIA HEIDENREICH
Balance zwischen Ruhe und Freiraum finden
Mitunter das Besondere am stieg’nhaus? Wer hier nächtigt, kann nicht nur bis 13 Uhr frühstücken, sondern sich auch alle Mahlzeiten oder die 7-stufige Skincare-Routine aufs Zimmer liefern lassen. Wer also Begegnungen mit anderen – zumindest bis zum Check-out – entkommen möchte, kann sich in den sechs gemütlichen Suiten eine wunderbare, kleine Auszeit von der Außenwelt nehmen und es sich in den gebuchten vier Wänden gemütlich machen.

Was Maria und Tom gemeinsam haben? Beide sind Quereinsteiger*innen und haben im stieg’nhaus vor allem auf jene Details in der Ausstattung geachtet, die den beiden selbst während ihren eigenen Übernachtungen und Hotelbesuchen besonders in Erinnerung geblieben oder wichtig sind. Soll heißen: Im Haus steckt das ganze Herzblut der beiden, die sich während der gesamten Umbauphase unzählige Gedanken in puncto Gestaltung, Aufteilung und vor allem auch in Bezug auf den Raumfluss gemacht haben.

Morgen haben wir Geburtstag, morgen haben wir ein Jahr offen. Haben wir jetzt schon gemerkt, dass das, was wir da mit kreieren wollten, dass sich die Gäste, wenn sie reinkommen, die fühlen sich wohl, fühlen sich entspannt. Die fühlen sich jetzt halt nicht wie in einem Riesenhotel, sondern die fühlen sich eigentlich wie wenn sie nach Hause kommen und können sich hier einfach entspannen und frei bewegen und ihr Ding machen.
maria heidenreich
Melde dich zum Magazine Newsletter an!
Die besten Tipps für Österreich und darüber hinaus in deinem Postfach: die schönsten Reisetipps, coole Ausflugsziele, spannende Events, exklusive Gewinnspiele und vieles mehr.
Ein Koch, der weiß, was er will
Aber nicht nur in puncto alte, neue Gemäuer und Design kann sich das stieg’nhaus sehen lassen. Zu Beginn des Jahres wurde die Küche des Hauses unter Chefkoch Pablo Medrano Pérez aus dem Stegreif mit drei Hauben ausgezeichnet. Aber was wird in Mühlbach eigentlich serviert? „I always say we have a fixed base of 30, 40% about Austrian food, because we are in Austria and already the people always ask for traditional food like Wiener Schnitzel. We have the Wiener Schnitzel, we have Topfenknödel, Topfenstrudel. We have many other things that the root is from Austria,“ beschreibt Pablo sein Küchenkonzept.
Wer nun allerdings denkt, dass sich lediglich österreichische Klassiker in der Karte finden, der*die irrt gewaltig, denn Pablo bringt auch ein Stück Heimat auf so manchen Teller. „The rest of the food what we make is mixing this Austrian with more international food. And at the same time, for example, we use products like caviar, but we use caviar from here, from Austria. We don’t go to look caviar from another country. So, the things that we can get, uh, near, so we take from here.“

4 Fragen an Maria und Tom
1000things Magazine: Was macht für euch, wenn ihr es zusammenfasst, in drei Worten gute Hospitality aus?
Tom: Menschen. Trotzdem Qualität, würde ich sagen, weil das ist trotzdem unabdingbar. Ja, und das letzte Wort hast du …
Maria: Ich würde sagen Großzügigkeit.
Tom: Mhm, das ist gut.
1000things Magazine: Welches ist eure liebste Ecke hier im Haus?
Maria: Eigentlich alles, weil wir haben da wirklich unser ganzes Herzblut, unser ganzes Leben haben wir da reingesteckt, und deswegen ist es auch manchmal, finde ich, so schwer zu sagen, was ist genau das Besondere, weil es so von innen rauskommt. Jedes Eck ist für mich besonders.

1000things Magazine: Welche Gäst*innen sind im stieg’nhaus willkommen?
Tom: Jede*r ist willkommen. Wir haben sieben Tage die Woche offen, also das Hotel ist geöffnet für jede*n. Jede*r ist herzlich willkommen. Ich glaube, es ist schön, finde ich, wenn man ein bisschen Abwechslung hat ab und zu. Und ich glaube, durch den Flair hier entsteht vielleicht so ein bisschen so internationales City-Feeling. Und wer ab und zu mal ein anderes Feeling möchte, der der kommt einfach zu uns.
1000things Magazine: Was macht für euch gutes Gastgebertum aus?
Tom: Weil ich meine, das alles, Design und und Essen, und ist alles immer Ansichtssache, glaube ich, aber am Ende des Tages geht es darum, dass der Mensch sich irgendwie wohlfühlt, verstanden fühlt, dass nichts zu schwer ist, nichts zu viel ist, dass man das Gefühl hat, man wird gerne betreut. Ich glaube, das ist das wahre Gastgebertum.
Maria & Tom Heidenreich im Überblick
- Herkunft: Deutschland
- Quereinsteiger*innen aus Leidenschaf
- Auszeichnung: drei Hauben von Gault&Millau
- Küche: regional & saisonal, teils mit spanischem Einfluss
- immer an ihrer Seite: Hund Amy