Kritik zum 2. ESC-Semifinale in Wien: Ein bisschen Ruhe vorm Final-Sturm?
Das zweite Semifinale des Eurovision Song Contest 2026 ist vorüber und die Finalist*innen für das große Finale stehen fest. Hier lest ihr, wie wir die Show erlebt haben!
Jetzt stehen die Finalist*innen des Eurovision Song Contest 2026 also fest. Ich war gestern im Medienzentrum bei der Wiener Stadthalle und habe das 2. Halbfinale vor Ort mit ein paar hundert internationalen Journalist*innen und Medienmenschen verfolgt. Die Stimmung vor Ort war recht ausgelassen und positiv – bei einigen Acts wurde von den angereisten Journalist*innen laut mitgesungen und getanzt. Auch diese Bubble scheint den Eurovision Song Contest in Wien also soweit zu genießen!
Zum Halbfinale: Gestartet hat’s mit einer launigen Klamauk-Version von Wasted Love, wobei Victoria Swarovski und Michael Ostrowski die Choreographie durch den Kakao gezogen haben und dabei JJs Schiff versenkt und die Bühne versehentlich in Brand gesetzt haben. Das war wirklich ein lustiger Start – leider galt das nicht für alle Einlagen dieses Abends.

Mehr ruhigere Acts
Aber von vorne: Ganz allgemein lässt sich sagen, dass das zweite Halbfinale das um einen Hauch weniger spektakuläre der beiden war. Das fing mit den Acts an: Im ersten Semifinale sangen ja noch die Wettquoten-Anführer aus Finnland, ergänzt von partytauglichen Hits wie Schweden, Griechenland oder Moldau.
Im zweiten Halbfinale war nun die Favoritenreihe knapp dahinter dran: nämlich Dänemark und Australien. Beide ebenso Top-Nummern, aber eben auch laut Wettquoten etwas dahinter. Trotzdem, die haben enorm gute Shows abgeliefert: Dänemarks Paket aus energetischer Pop-Ballade samt musicalartiger Tanzdarbietung stimmt einfach, Australiens Sängerin Delta Goodrem ist einfach sichtlich die beste und erfahrenste Sängerin im Bewerb und hat auch eine ordentliche Show geliefert.

Ansonsten gab’s verstärkt ruhige Nummern: Aserbaidschan, Lettland, Schweiz und Tschechien zählten dazu, erstere drei schieden auch prompt aus. Dadurch gab’s auch bei der Bühne diesmal teils weniger atemberaubende Shots im Vergleich zum 1. Semifinale – der guten Stimmung in der Halle tat das freilich keinen Abbruch.
So kam Cosmó in der Stadthalle an
Nicht falsch verstehen: Spaß hat’s trotzdem sehr gemacht und musikalische Highlights gab’s auch. In der Stadthalle kam so etwa der Auftritt von Cosmó sehr an, sie hat nach seinem Auftritt echt laut gebebt: Fast so, als wäre Österreich das Gastgeberland oder so!
Auch der Sänger hatte sichtlich Spaß auf der Bühne und an der Choreographie wurde seit dem Vorentscheid „Vienna Calling“ dann doch noch einmal ordentlich gefeilt, sodass sie jetzt schon deutlich cooler ausschaut. Gut ist auch angekommen, dass Cosmó im Gegensatz zu vielen anderen Acts stärker mit der Halle interagierte. Das freute die Fans vor Ort! Generell hat man aus dem Act jetzt das Bestmögliche rausgeholt – ob das am Ende für viele Punkte reicht, steht auf einem anderen Blatt und wird sich am Samstag zeigen.

Neben den erwähnten Trotzdem-Super-Nummern aus Australien und Dänemark hat auch JJ kurz vor der Verkündung der Voting-Ergebnisse seinen Song „Unknown“ präsentiert. Da ließ der Sänger stimmlich schon wieder erkennen, warum er den Song Contest vergangenes Jahr gewonnen hat. Hier stimmte auch die Choreographie, die den Sound eindrucksvoll untermalt hat. Also: Trotz der im Schnitt etwas „schwächeren“ Acts gab’s im zweiten Semifinale durchaus einige Höhepunkte.
Mäßiges Intermezzo
Das lässt sich leider bei einem Intermezzo-Act nicht sagen: Während der Voting-Phase sangen Swarovski und Ostrowski zusammen „I’m so excited“. Das war eher etwas einfallslos und sagen wir es so: Einen ESC hätten wir damit nicht gewonnen. Da hatten im Prinzip beide Einlagen im Semifinale 1 deutlich mehr zu bieten, selbst „Austria vs. Australia“ hat wenigstens etwas Diskussionsstoff geliefert – diesmal haben die meisten Fans den Zwischenact wohl bis heute schon wieder vergessen.

Positiv hervorzuheben ist dafür, dass die Moderation versucht, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen und dabei über weite Strecken doch schon lockerer wirkte. Hoffe da noch auf eine weitere Steigerung im Finale! Ansonsten haben sie sogar den einen Blooper der Show mit einem Lächeln charmant überspielt: Noch während die Moderator*innen die Ergebnisse verkündeten, rannte hinter ihnen plötzlich der bereits durchgekommene, begeisterte maltesische Kandidat durchs Bild und hat wohl am anderen Ende des Raums jemanden umarmen wollen. Davon haben sich Swarovski und Ostrowski aber nicht ablenken lassen.
Fazit: Runde Show
Am Ende bleibt hängen, dass das zweite Semifinale des Song Contest 2026 recht rund und reibungslos über die Bühne ging. Gerade die Acts aus Dänemark, Australien und ja, auch Österreich haben für stimmungsvolle Höhepunkte gesorgt. Generell ging’s – im Vergleich zum ersten Semi – ruhiger zu, aber so kann man diese Show auch als „Ruhe vor dem Sturm“ am Samstag sehen.
Aus österreichischer Sicht war dafür schön zu sehen, dass Cosmós Beitrag bei den ESC-Fans sehr wohlwollend angenommen wird und dort für gute Stimmung sorgen kann. Vor allem in der Halle kommt der „Tanzschein“ sehr gut rüber! Kleiner Flop war nur das „I’m so Excited“ Intermezzo – da hätte man auch einfach JJ ein zweites Mal singen lassen können und das wäre für den Gesamteindruck wahrscheinlich besser gewesen. Zum Glück kam unser Vorjahressieger noch danach.
Alles in allem fand gestern nicht das spektakulärste zweite Semifinale in der ESC-Geschichte statt, aber im Gesamteindruck haben alle Beteiligten eine solide Performance abgeliefert!

Diese Länder kamen weiter:
- Bulgarien: Dara – Bangaranga
- Ukraine: Leléka – Ridnym
- Norwegen: Jonas Lovv – Ya Ya Ya
- Australien: Delta Goodrem – Eclipse
- Rumänien: Alexandra Căpitănescu – Choke Me
- Malta: Aidan – Bella
- Zypern: Antigoni – Jalla
- Albanien: Alis – Nân
- Dänemark: Søren Torpegaard Lund – Før vi går hjem
- Tschechien: Daniel Žižka – Crossroads
Ausgeschieden sind:
- Armenien: Simón – Paloma Rumba
- Aserbaidschan: Jiva – Just Go
- Luxemburg: Eva Marija – Mother Nature
- Schweiz: Veronica Fusaro – Alice
- Lettland: Atvara – Ēnā
