Die Sache mit den Bauernregeln: Was ist heute noch dran?
Gerade führt uns das Wetter ziemlich eindrucksvoll vor, dass es auf lineare Übergänge pfeift. Kaum freut man sich über den ersten Kaffee in der Sonne, packt man kurze Zeit später wieder die Winterjacke aus. Also haben wir dort nachgeschaut, wo man schon lange vor Wetter-Apps versucht hat, diesem Wetterchaos irgendeine Logik abzuringen: bei den Bauernregeln.
Bauernregeln haben ein klares Imageproblem: Zu viel Reim, zu wenig Wissenschaft – so ungefähr. Lange wurden sie irgendwo zwischen Aberglaube, Wetterromantik und nettem Reim für den Küchenkalender einsortiert. Dabei hat man erst vergleichsweise spät begonnen, genauer hinzuschauen: Seit dem späten 20. Jahrhundert werden manche dieser alten Wetterweisheiten statistisch überprüft – und siehe da: Ganz aus der Luft gegriffen sind die Lostage dann doch nicht (immer).
Was dabei aber entscheidend ist, ist der Ort der Entstehung. Bauernregeln sind regionale Erfahrungswerte, die aus genauer Naturbeobachtung entstanden und über Generationen weitergegeben worden sind. Was in einer Region also über Jahrzehnte beobachtet wurde, muss nicht automatisch auch wo anders funktionieren. Genau deshalb schauen wir uns die bekanntesten Lostage im Alpenraum einmal genauer an.

Diese Lostage schaffen es bis heute in fast jeden Bauernkalender
Manche der fast einhundert verschiedenen Wettermarken sind längst fixer Bestandteil des bäuerlichen Kalenders – sei es wegen ihres Klangs, ihrer regionalen Bedeutung oder weil moderne Einordnungen zeigen, dass sie gar nicht komplett danebenliegen. Wir haben einen Überblick für euch:
- Mariä Lichtmess am 2. Februar ist einer der Klassiker schlechthin. Besonders bekannt ist die Regel: „Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneit, ist das Frühjahr nicht mehr weit.“.
- Auch rund um Petri Stuhlfeier am 22. Februar wird bis heute gern auf Frost und Kälte geschaut: „Frost am St. Peterstag, folgen noch 40 Fröste danach.“.
- Bei den Eisheiligen von 12. bis 15. Mai wird es dann besonders interessant, weil hier moderne Wetterdaten mitreden. „Pankratzi, Servatzi, Bonifazi sind drei frostige Bazi, und zum Schluss fehlet nie, die kalte Sophie.“.
- Rund um den Johannistag am 24. Juni geht der Blick schon in Richtung Sommerverlauf: „Wie’s Wetter am Johanni war, so bleibt’s wohl 40 Tage gar.“.
- Der Siebenschläfertag am 27. Juni ist wohl der Bekannteste unter den Lostagen: „Wie das Wetter am Siebenschläfertag, so bleibt es sieben Wochen danach.“.
- Auch Mariä Heimsuchung am 2. Juli steht in vielen Regionen für längere Wetterphasen. Eine besonders schöne Fassung lautet: „Wie unsere liebe Frau übers Gebirge geht, so das Wetter 40 Tage steht.“.
- An Margaretha am 20. Juli geht es in vielen Überlieferungen um Sonne, Trockenheit und Erntewetter: „Hat Margret keinen Sonnenschein, dann kommt das Korn nie trocken heim.“.
- Bartholomäus am 24. August gilt in vielen Regionen als Wettermarke zwischen Hochsommer und Herbst. Besonders eingängig ist hier die Regel: „Zu Bartelmä geht man im Sommer in die Kirche und kommt im Herbst heraus.“.
- Auch Michaeli am 29. September taucht bis heute regelmäßig auf, wenn es um erste Vorahnungen für die kalte Jahreszeit geht: „Regnet’s am Michaelitag, sanft der Winter werden mag.“.
- Martini am 11. November ist ebenfalls ein Lostag, der sich erstaunlich gut gehalten hat. Eine der bestehenden Bauernregeln lautet beispielsweise: „Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart.“.
- Und rund um Weihnachten am 25. Dezember wird es dann besonders bildhaft und erstaunlich treffsicher: „Weihnacht im Schnee, Ostern im Klee.“.

Auffällig ist dabei, dass viele der gut dokumentierten Bauernregeln, die heute auch online zu finden sind, aus dem Osten und Nordosten Österreichs stammen oder dort besonders detailliert gesammelt wurden. Für den Westen ist die Überlieferung oft kleinteiliger, stärker mündlich geprägt oder schwerer auffindbar.
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Was die Meteorologie heute dazu sagt
Also was machen wir jetzt damit? Die kurze Antwort ist: Es kommt darauf an. Am ehesten halten jene Bauernregeln stand, die kein halbes Jahr prophezeien, sondern eine Wetterlage einfach noch ein Stück weit weiterschreiben. Genau deshalb gilt der Siebenschläfertag bis heute als einer der belastbarsten Fälle: Je nach Region kommt er im Schnitt auf eine Trefferquote von rund 55 bis 70 Prozent.
Deutlich wackeliger wird es dort, wo der Kalender sehr punktgenau sein will. Das zeigt sich bei den Eisheiligen besonders gut: Regional liegen sie auf drei bis fünf Tagen rund um den 15. Mai, statistisch gesehen wird ein markanterer Kälteeinbruch aber oft erst einige Tage später verortet. Noch dazu kommt, dass sich durch den Klimawandel auch jene Wettermuster verändern, auf denen viele Bauernregeln überhaupt erst beruhen.

Unterm Strich
So ganz auf die Bauernregeln verlassen, sollten wir uns dann wohl doch nicht. Aber ganz ehrlich: Wenn das Wetter mal wieder völlig aus dem Konzept gerät, finde ich es überraschend beruhigend, dass mein Opa wahrscheinlich schon längst gewusst hätte, welcher Lostag gerade daran schuld ist.