Riley’s Realtalk: Mein Papa hat Halloween nach Österreich gebracht
In Riley’s Realtalk hinterfragt unsere Redakteurin Isabel ganz alltägliche Dinge. Diesmal geht es um Halloween und warum dieser Feiertag zu Unrecht so viel Hate abbekommt.
Bereits als ich vier Jahre alt war, haben wir den 31. Oktober im Hause Riley gebührend zelebriert. Meine Mama bastelte aus unserer Esszimmerlampe eine Riesenspinne, das Haus wurde mit Spinnweben dekoriert und am Tisch landete gruseliges Fingerfood.
Im kleinen 1.000-Einwohner-Dorf in Tirol waren meine Geschwister und ich die Ersten, die als Hexe, Zombie und Vampir durch die Nacht zogen. Mit einer Mission, die wohl jedes Kinderherz höherschlagen lässt: so viele Zuckerl, Schokoriegel und Gummischlangen wie möglich abcashen!
Die Halloween-OGs aus der Nachbarschaft
Ein Traum, oder? Während wir Snickers, Mars und Twix bis kurz vor dem Zuckerschock verschlangen, wurden die Nachbarskinder vom Neid zerfressen. Aber was soll ich sagen: Der Plan ging auf. Von Jahr zu Jahr wurden es mehr Kinder, bis wir schließlich mit der halben Nachbarschaft von Haus zu Haus zogen.
Meinen Papa erfüllt es nach wie vor mit Stolz, dass er „Halloween nach Österreich gebracht“ hat. Und davon ist er felsenfest überzeugt. Und ich muss zugeben: Das kleine Mädchen im Hexenkostüm in mir glaubt ihm nur allzu gerne.

Stoppt die Hexenjagd auf Halloween
Aber sollte ich darauf überhaupt stolz sein? Immerhin gibt es hierzulande erstaunlich viele Menschen, die Halloween so gar nichts abgewinnen können. Um nicht zu sagen: Für manche ist das Fest ein wahres Horrohaus. Ich kann diesen Hate jedenfalls nur bedingt nachvollziehen.
Ja, natürlich ist Halloween mittlerweile stark kommerzialisiert. Ende September stapeln sich bei Depot, Butlers und Flying Tiger bereits die Plastikkürbisse und Scream-Masken.
Aber als wäre das Christkind mittlerweile nicht ebenfalls ein Aushängeschild für Konsumzwang.
Isabel Riley
Warum also ausgerechnet bei Halloween die Grundsatzdiskussion auspacken?
Ein bisschen Spuk hat noch niemandem geschadet
Und was viele gar nicht wissen: Halloween hat seine Wurzeln in alten keltischen Traditionen. Beim Fest Samhain markierte der Übergang in die dunkle Jahreszeit eine Zeit, in der man glaubte, dass die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und jener der Geister durchlässiger wurde. Verkleidungen und Rituale sollten dabei helfen, sich vor unheimlichen Wesen zu schützen.
Also was ist bitte verkehrt daran, böse Geister zu vertreiben? Wenn ich mich dabei auch noch verkleiden darf, umso besser!
Isabel Riley

Wir alle sollten mehr Lazi machen
Vielleicht steckt genau dahinter der Grund, warum ich Halloween so liebe. Für einen Abend dürfen wir ein bisschen albern sein. Wir schlüpfen in andere Rollen und nehmen uns selbst nicht ganz so ernst. Und mal ehrlich:
Könnten wir davon nicht alle ein bisschen mehr gebrauchen?
Ich finde schon. Deshalb habe ich mir heuer als Neujahrssatz vorgenommen: mehr „Lazi“ machen!
Lazi machen bedeutet in Tirol so viel wie herumalbern, Unsinn treiben und das Leben nicht ganz so ernst nehmen.
Isabel riley
Und das kann ich nur wärmstens empfehlen. Genau deshalb lauere ich auch mit 30 noch hinter dem Türstock, um meiner Mitbewohnerin einen gehörigen Schrecken einzujagen.
Über Riley’s Realtalk
Ich liebe es, Dinge zu erleben, zu wandern, auf Konzerte zu gehen und neue Lokale im Alpenraum zu testen. ABER immer wieder fallen mir dabei banale Absurditäten auf, über die ich einfach schmunzeln muss.
In der Kolumne Riley’s Realtalk nehme ich alle zwei Wochen genau diese kleinen Alltagsbeobachtungen auseinander. Und ja, ein paar Dinge verleiten mich vom Schmunzeln bis hin zum Ranten! Vor allem will ich aber den Freizeitstress, den viele von uns haben, nicht so ernst nehmen und Dinge, die uns erstmal normal erscheinen, aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Und vielleicht findet ihr euch in der ein oder anderen Beobachtung wieder oder habt das selbst schon erlebt…
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