Warum das Leben am Berg so viel mehr zu bieten hat: Auf ein Hüttenplauscherl mit Richard Preyer, Habsburghaus
Auf über 1.700 Metern in der Rax-Schneeberg-Gruppe gelegen, thront eine Hütte, die zwar Altes bewahrt, aber seit dem letzten Jahr mutig neue Wege geht. Wir haben uns auf ein Hüttenplauscherl mit Richard vom Habsburghaus getroffen und darüber gesprochen, warum Wertschätzung hier oben an erster Stelle steht – und warum es sich manchmal lohnt, den kleinen Dingen mehr Achtung zu zollen.
Seit dem letzten Jahr ist auf der Rax frischer Wind eingekehrt – genauer gesagt im Habsburghaus, das neu gepachtet wurde. Hier oben weiß man die Vorzüge des Lebens am Berg voll und ganz zu schätzen – eine willkommene Abwechslung zum regen Stadttreiben, das rund eineinhalb Stunden entfernt zu finden ist. Das Habsburghaus sticht bereits aus aller Ferne ins Auge – nahezu majestätisch thront es am Grieskogel auf 1.785 Metern Höhe und wird daher auch liebevoll als „Akropolis“ der Rax-Schneeberg-Gruppe bezeichnet.
Im Zuge unserer Hüttenplauscherl stellen wir euch die spannendsten Hüttenwirt*innen aus dem Alpenraum vor und sprechen mit ihnen über unausgesprochene Hüttenregeln, Gastlichkeit am Berg und die kleinen Freuden des Hüttenlebens. Dieses Mal sind wir zu Besuch bei Richard vom Habsburghaus, der sich als gebürtiges Stadtkind für das Leben am Berg entschieden hat und uns unter anderem erklärt, warum Wertschätzung für ihn an erster Stelle steht – und auch, warum ihr den Kaiserschmarrn hier (noch) vergebens auf der Karte sucht.


Von der Stadt hoch in die Berge
Schon in den ersten Minuten merkt man: Richard lebt und brennt für die Gastronomie und ist Gastgeber aus Leidenschaft. Ursprünglich aus der Stadt und dem stressigen Event-Geschäft stammend, hat er auf der Rax nun seinen ganz eigenen Ort gefunden – auch, oder vielleicht gerade weil sich das Gastgebertum am Berg deutlich von jenem im Tal unterscheidet. „Diese Wertschätzung hier, die bekommst du in der Stadt einfach nicht mehr so extrem zu spüren. Im Tal bist du viel austauschbarer als hier oben.“
Ich habe Spaß daran, jeden Tag neue Leute kennenzulernen. Und mit denen eine gute Zeit verbringen möchte.
Richard Preyer, Hüttenwirt

Das spiegelt sich auch in den Gästen wider, die im Habsburghaus einkehren oder nächtigen. Viele kommen mit Hund, andere wiederum mit der ganzen Familie – was jedoch alle gemeinsam haben, ist die Liebe zur Natur und die Wertschätzung. „Am meisten freut mich, wenn heute Leute grundsätzlich dankbar dafür sind, dass wir das überhaupt machen. Hüttenwirte sind nicht das beliebteste Volk unserer Branche, die schwer getroffen ist von Corona. Es ist schön, wenn Leute wertschätzen, dass wir diesen Job gerne machen und auch als gut empfinden“, erklärt Richard.
Das Ziel ist, dass jede*r gleich gut behandelt wird und diesen wunderschönen Berg und die Aussicht hier, kombiniert mit gutem Essen und schönen Zimmern vorfinden darf.
Richard Preyer, Hüttenwirt


Ein Aufstieg, der sich lohnt
Hoch zum Habsburghaus kommt ihr ausschließlich zu Fuß – zum Glück, denn das Hochplateau eignet sich hervorragend für ausgedehnte Wanderungen und besticht ganz obendrein mit traumhaftem Panorama, etwa auf Schneealpe, Ötscher oder Hochschwab.
Je nach Kondition könnt ihr den familiengeeigneten Zustieg von der Bergstation der Rax Seilbahn wählen. Wir haben uns für den Aufstieg vom Preiner Gscheid aus entschieden, der euch in rund drei Stunden vorbei am Waxrieglhaus, über den Schlangenweg und das Karl-Ludwig-Haus zum Habsburghaus führt. Besonders im Sommer bietet sich die Rax-Schneeberggruppe für eine kleine Sommerfrische an, denn hier oben erwarten euch deutlich kühlere Temperaturen.
Hier oben sind die Höchsttemperaturen nur 24 Grad.
Richard Preyer, Hüttenwirt
„Ich habe hier oben ein ganz anderes Leben. Ich komme ansonsten aus einem sehr stressigen Geschäft aus der Stadt in der urbanen Gastronomie. Die Klientel, die wir hier haben, ist eine ganz andere. Wir haben viele Gäste, die mit Hunden kommen und wir haben viele Familien. Manche machen auch einfach nur Urlaub hier, weil es preiswert ist“, ergänzt Richard Preyer.

Eine kleine, aber feine Karte
Die Speisekarte ist überschaubar, aber gerade deshalb so wunderbar vielfältig. Neben einem veganen Chili aus Hülsenfrüchten finden sich Kässpätzle mit oder ohne Speck und Röstzwiebeln sowie ein Schweinsbraten mit Kartoffelknödeln und Sauerkraut. Gekocht werden hier stets Gerichte, die für alle verträglich sind. So auch das Dessert des Hauses: ein Bienenstich-Tiramisu, das bewusst auf Alkohol und Kaffee verzichtet und damit auch für die kleinen Hüttengäste eine Belohnung nach dem Aufstieg bietet. Vegane Kuchen ergänzen die Speisekarte.

Serviert wird euch hier – neben den etwas deftigeren Speisen – auch ein Saibling im Glas mit getoastetem Schwarzbrot. Dieser kommt direkt unten aus dem Tal und ist das regionalste Produkt, das sich auf der Karte findet. Das Besondere am Gewässer, aus dem der Fisch kommt? Das Wasser versorgt auch die Stadt Wien und hat demnach eine hervorragende Qualität – und das schmeckt man.
Es braucht eigentlich nicht viel, damit dieses Produkt einfach gut schmeckt. Genauso ist es bei uns mit der Aussicht: Es braucht nicht viel, wir haben einfach eine wunderschöne Aussicht hier. Und da muss man gar nicht viel tun, um alles wertzuschätzen, was dazu gehört.
Richard Preyer, Hüttenwirt

Regional & gut für den Berg
Aufgrund der Lage gibt es keinen Trinkwasseranschluss und keine Infrastruktur, wie man sie im Tal kennt. Soll bedeuten: Trinkwasser sowie Lebensmittel werden täglich mittels Transportlift vom Tal aus hoch auf die Rax gebracht. Für die Sanitäranlagen wird hingegegen ausschließlich gefiltertes und aufbereitetes Regenwasser verwendet. Bei großen Hitzeperioden und ausbleibenden Regenschauern kann das Wasser auch einmal knapp werden – umso wichtiger ist es, mit allen Ressourcen am Berg gut zu haushalten.

„Ich bin in gutem Austausch mit der Bevölkerung in der Gegend. Ich kaufe regional ein und bekomme einen extremen Rückhalt aus der Wirtschaft, dass wir als junge Leute, die aus Wien kommen, hier oben in einem sehr gesettelten Ort unser Geschäft machen dürfen. Und das im Einklang mit der Bevölkerung und der Klientel.“
Mir ist wichtig, dass wir mit dem Berg so verantwortungsvoll wie möglich umgehen.
Richard Preyer, Hüttenwirt

5 Fragen an Richard vom Habsburghaus:
Wenn die Alexanderhütte ein Gericht wäre, welches wäre sie?
Richard: Der Saibling im Glas – das ist das regionalste Produkt, das ich einkaufe, es kommt direkt unten aus dem Tal. Fisch in bester Qualität, eigentlich aus einem Abfallprodukt, den Innereien, produziert und zu einem herrlichen Lebermousse verarbeitet.
Serviert mit getoastetem Brot – eine super Sache, gerade bei den Temperaturen. Es braucht eigentlich nicht viel, damit dieses Produkt gut schmeckt.

Was ist bei dir die wichtigste, unausgesprochene Regel auf der Hütte?
Richard: Dass wir mit dem Berg so verantwortungsvoll wie möglich umgehen, so wenig Ressourcen wie möglich verbrauchen – und alles, was wir an Müll produzieren, wieder mit ins Tal nehmen.

Welches Gericht schmeckt bei dir besonders gut bzw. für welches Gericht kommen Gäst*innen wieder?
Richard: Das beste Gericht, das wir haben, sind die Kässpätzle mit Speckwürfeln getoppt. Aus dem einfachen Grund, dass das so fettig ist, dass es Geschmack pur ist.

Wie würdest du das Habsburghaus in drei Worten beschreiben?
Richard: Traditionsreich, heimatverbunden, lecker.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Kaiserschmarrn oder Kaspressknödel?
Richard: Definitiv Kaspressknödel.
1000things Magazine: Warum?
Antwort: Ein Freund von mir macht im Wienerwald, im Mirli, den besten Kaiserschmarrn. Und solange mein Kaiserschmarrn nicht so gut ist wie seiner, werde ich keinen anbieten. (lacht)

Das Habsburghaus im Überblick
- Rax Alpe, Niederösterreich
- gepachtet von Richard Preyer
- Übernachtungen möglich, Hunde erlaubt
- 36 Schlafplätze im Zimmer, 68 Plätze im Lager
- unbedingt probieren: Kässpätzle & Bienenstichtiramisu
- mehr über das Habsburghaus erfahren