Bunt, glamourös und mit Stöckeljause: Auf ein Hüttenplauscherl mit Itshe und Io, Absteige zur bärtigen Therese
In Trahütten in der Steiermark werden die Regeln neu geschrieben – bewusst anders, lauter und mit ganz viel Herzblut. Wir haben uns auf ein Hüttenplauscherl mit Itshe und Io getroffen und darüber gesprochen, warum Hütte nicht gleich Hütte ist und warum es sich manchmal lohnt, Stereotype bewusst aufzubrechen – und Frittatensuppe in allen Farben des Regenbogens zu servieren.
Kunterbunt – wie das Leben selbst – und bewirtet von zwei Personen, die herzlicher nicht sein könnten: Wer in der Absteige zur bärtigen Therese ankommt, fühlt sich sofort wie daheim. Nicht zuletzt, weil ihr hier ganz wunderbar von den Gastgebern Itshe und Io empfangen werdet, die sich in Trahütten, oberhalb von Deutschlandsberg, eine ganz eigene Welt in Form einer wunderbaren Oase geschaffen haben. Bunt, mit Ecken und Kanten und voller liebevoller Details, die man am liebsten stundenlang erkunden würde.
Im Zuge unserer Hüttenplauscherl stellen wir euch die spannendsten Hüttenwirt*innen aus dem Alpenraum vor und sprechen mit ihnen über unausgesprochene Hüttenregeln, Gastlichkeit am Berg und die kleinen Freuden des Hüttenlebens. Dieses Mal sind wir zu Besuch bei Itshe und Io in der Absteige zur bärtigen Therese, die auf 1.000 Metern auf der Koralm thront und ihre ganz eigenen Regeln schreibt.


Das erste queere Hotel Österreichs
Wohlgemerkt handelt es sich hier aber um keine klassische Hütte, sondern um das erste queere Hotel Österreichs. Die Therese mag es glamourös, und das sieht man bereits aus der Ferne: Geschmückt wird die Hausfassade von imposanten Wandmalereien und Kunstinstallationen in Form einer großen Perlenkette. Die Dame ist imposant und heißt alle* herzlich willkommen. Das Besondere? Geöffnet ist immer nur zu den jeweiligen Spielzeiten, die sich ganzjährig den unterschiedlichsten Schwerpunkten und Themen widmen.
„Gespielt“ werden dann – teils am Wochenende, teils aber auch über mehrere Wochen – die unterschiedlichsten Stückerl: von Queer Art und Summer Residencies bis hin zu Sommer- oder Kunstfrische sowie dem Wanderwochenende für Men Only. Manche Veranstaltungen können auch ohne Übernachtung besucht werden, für andere ist der Zugang exklusiv.
Unter „alle“ versteht die Therese das ganze queere Spektrum – samt aller Sternchen, Unterstriche_, Doppelpunkte: und so weiter.

Erinnerungen an anno dazumal
Übernommen haben Itshe und Io ihre Hütte auf der Koralm von Ios Oma, die die Hütte lange Zeit selbst bewirtschaftet hat. Die Spuren und Erinnerungen an diese Zeit ziehen sich auch heute noch durch das gesamte Haus – denn Altes wurde nicht einfach durch Neues ersetzt, sondern mit eigener Handschrift versehen und entsprechend hergerichtet. Stilvoll? Zu 100 Prozent.
Aber was macht Itshe und Io als Hüttenwirte eigentlich aus? „Wir sind plötzlich Hüttenwirte geworden. Wir hatten das so nicht vor. Das macht uns aus und das ist spannend. Es ist auch völlig unerwartet, weil wir eigentlich beide totale Stadtkinder sind und aus Wien hierhergezogen sind. Und wir haben dann gemerkt, dass wir das Land und die Berge lieben“, erklärt Itshe.
Die Lebensqualität in den Bergen ist schon eine ganz besondere.
IO, INHABER

Extravaganza superior trifft Kitsch, Glitzer und Regenbogen-Frittaten
Aber nicht nur in Sachen Gastgebertum setzt die Therese neue Maßstäbe, sondern auch in puncto Kulinarik. Hinter dem Herd zu finden? Io – und das bereits in den frühen Morgenstunden, wenn Trahütten noch vor sich hinschlummert: „Ich habe kein Signature Dish per se, sondern es geht mir mehr um eine Einstellung. Es geht ganz stark um Regionalität und queere Produzent*innen“, erklärt er.

„Und besonders um die Zutaten, die immer regional und saisonal sind. Ich habe kein festes Menü, sondern ich lasse mich jede Woche neu von den saisonalen Produkten vom Markt inspirieren und aus denen mache ich dann Kreationen“, beschreibt Io sein Küchenkonzept.
„Dem Io liegt es völlig am Herzen, dass alle gemeinsam an einem Tisch essen. Besonders am Freitag – oft kommen die Leute am Freitag an – wird eine große Tafel aufgebaut, damit sich alle mal kennenlernen. Und das ist das Schöne: Die Gerichte stehen auf dem Tisch und jeder nimmt sich einfach so viel, wie er will. Und das ist eigentlich das Signature von der Therese: Wir kommen gemeinsam hier an und essen ein Family Dinner. Das lieben die Leute und deswegen kommen sie auch gerne wieder“, ergänzt Itshe.
Es ist immer etwas sehr Persönliches, etwas sehr Familiäres, das Essen bei uns.
ITSHE, Inhaber

Wie sich das auf der Speisekarte widerspiegelt? Etwa in Form einer Stöckeljause – einmalig in ihrer Art, aber geschmacklich wie optisch ein absolutes Highlight. Auch das Frühstück kann sich sehen lassen und wird bis mittags serviert, um den Gäst*innen bewusst keinen Zeitrahmen zu setzen. Für Frühaufsteher*innen gibt es bereits ab 8 Uhr frische Croissants und Kaffee.


5 Fragen an Itshe & Io von der bärtigen Therese:
Wenn die Therese ein Gericht wäre, welches wäre sie?
Io: Die mag ja ganz viele Dinge. Und die ist in der ganzen Welt rumgereist und sie liebt so viele Gerichte aus der ganzen Welt, dass wir uns erst mal herantasten müssen, was da alles Platz hat. Aber im Moment ist es eigentlich die Stöckeljause, gell?
Itshe: Das ist so die Interpretation der Brettljause, wo ein Teil der Jause in einem Stöckelschuh serviert wird. Das ist schon etwas, was die glamouröse Therese einfach liebt. Auf jeden Fall. Oder die Regenbogen-Frittatensuppe. Auch hervorragend hier auf der Alm. (lacht)

Was ist das größte Kompliment, das euch jemals ein Gast gemacht hat und das sich nicht auf das Essen bezieht?
Itshe: Also ganz oft ist es so, dass die Menschen sagen: „Oh, hier fühlt man sich zu Hause, bevor man überhaupt angekommen ist.“ Also das ist so ganz oft, dass Menschen hierherkommen und merken, dass sie einfach da sein können. Und dass sie einfach mit uns Zeit verbringen können – und das ist so ein schönes Kompliment. Oder ein Kompliment ist auch, wenn die Leute manchmal das Geschirr nehmen und bringen das uns in die Küche, weil sie sich wie zu Hause fühlen. Das ist ein riesen Kompliment.
Io: Für mich war es das von einem Stammgast, der immer wieder kommt, der jetzt auch wieder übernächste Woche kommt, der einfach sagt: „Ich bin so gern bei euch, weil bei euch ist für mich die Welt noch ein bisschen in Ordnung, auch wenn sie sonst überall crazy ist.“
Itshe: Ja, das stimmt. „Ihr habt eine heile Welt“, hat er gesagt. Und er weiß, dass das nur temporär ist, aber er liebt es und er sagt, er braucht zwischendurch einfach mal ein bisschen heile Welt am Berg.

Welches Gericht schmeckt bei euch besonders gut bzw. für welches Gericht kommen Gäst*innen wieder?
Io: Es gibt natürlich gewisse Dinge, die sehr beliebt sind. Es gibt immer Leute, die sehr herzhafte, gutbürgerliche Almküche lieben. Wir haben aber auch sehr viele Gäste, die einfach gerne vegan, regional, nachhaltig bekocht werden, und genau in diesem Spannungsfeld arbeite ich.
Es ist immer etwas sehr Persönliches, etwas sehr Familiäres, das Essen bei uns. Wir haben jetzt nicht ein À-la-carte-Menü, sondern wir haben, wie das halt üblich ist, Tagesgerichte, die eben immer frisch zubereitet werden.

Wie würdet ihr die Therese in drei Worten beschreiben?
Io: Retro, queer… revolutionär.
Itshe: Ah, weiß ich nicht. Ich bin ja eher die Kitschmaus. Also ich würde sagen, es ist auch ein bisschen Kitsch-Trash, retro…
Io: Kitsch-Trash, Glamour, Retro. Das wäre auch richtig, ja.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Kaiserschmarrn oder Kaspressknödel?
Itshe: Kaiserschmarrn. Auf jeden Fall.
Io: Immer Kaspressknödel.
Ithse: Ah, okay. Ganz unterschiedlich.
Io: Ja, ich bin… ich bin kein Süßer.
Itshe: Ich schon! (beide lachen)

Die Absteige zur bärtigen Therese im Überblick
- Trahütten, Steiermark
- geführt von Itshe & Io
- nur zu den Spielzeiten
- unbedingt probieren: den Wermuth & den Cheesecake mit Schwarzbeeren
- Mehr über die bärtige Therese erfahren