Pofesen statt Kaiserschmarrn: Auf ein Hüttenplauscherl mit Tina & Stephan, Stuhlalm
In Annaberg im Lammertal trifft imposantes Bergpanorama auf kulinarische Höhenflüge – und das auf 1.467 Metern Seehöhe. Wir haben uns auf ein Hüttenplauscherl mit Tina und Stephan getroffen und unter anderem das Geheimnis gelüftet, warum hier bewusst auf den Kaiserschmarrn verzichtet wird und was die Gastronomie am Berg von jener im Tal unterscheidet.
Wer auf der Stuhlalm ankommt, merkt sofort, dass die Uhren hier oben anders ticken. Langsamer, wohliger – und vor allem mit ganz viel Herz und Liebe zu den Details. Was einst als bloße Idee begann, hat sich heute zu einer urigen Hütte entwickelt, in der man nur zu gerne verweilt – und in die man immer wieder gerne zurückkehrt. Ganz klar im Fokus: saisonale, regionale Zutaten – meist aus eigenem Anbau oder der eigenen Landwirtschaft – und stets mit dem Augenmerk auf die feinen Dinge des Lebens.
Im Zuge unserer Hüttenplauscherl stellen wir euch die spannendsten Hüttenwirt*innen aus dem Alpenraum vor und sprechen mit ihnen über unausgesprochene Hüttenregeln, Gastlichkeit am Berg und die kleinen Freuden des Hüttenlebens. Dieses Mal sind wir zu Besuch bei Tina und Stephan auf der Stuhlalm, die auf etwas über 1.400 Metern liegt und mit einem traumhaften Blick auf den Gosaukamm und die Bischofsmütze besticht.


Eine Hütte, die mehr kann – und will
Übernommen haben die beiden die Bewirtung der Stuhlalm 2022. Heute finden oben auf der Alm – neben der Bewirtung und der Möglichkeit, in der Hütte zu übernachten, auch Aquarell- und Yogakurse statt. Ebenso etabliert hat sich das Almfrühstück am Wochenende. Doch was macht Tina und Stephan als Hüttenwirt*innen eigentlich aus? „Das können, glaube ich, wir recht schlecht beantworten, ehrlicherweise … sondern eher unsere Gäste, würde ich jetzt sagen.“
Wir reden alle per „Du“ an, zum Beispiel. Es soll ja auch jeder Gast gleich sein.
STEPHAN, Stuhlalm-Wirt
Was die Gastronomie am Berg von der im Tal unterscheidet
Was die Stuhlalm abseits der gelebten Gastlichkeit auszeichnet? „Ich glaube, was uns ausmacht, ist schon der Gastro-Background, weil wir doch ein bisschen Erfahrung mitbringen. Das hat uns gerade am Anfang sehr geholfen. Wir haben schon ein paar Challenges gehabt, eine Hütte ist halt nicht gleich Gastro im Tal.
Ich glaube, dass der Stephan ein leidenschaftlicher Koch ist, ist sicher auch etwas, was uns ausmacht. Weil es halt nicht nur die typischen Almgerichte gibt, sondern auch ein bisschen was Kreativeres“, beschreibt Tina die Alm-Kulinarik.


Bei Stephan und Tina finden sich allerdings keine klassischen Hüttengerichte auf der Karte – vielmehr werden Klassiker neu interpretiert. „Wir probieren, ein bisschen mit der Saison zu gehen und machen Hüttenklassiker, aber ein bisschen moderner und kreativer. Es soll einfach ein bisschen anders sein, als es überall anders ist. Und das probieren wir beim Anrichten und bei den Produkten, die wir hernehmen.“
Und mit Kräutern, die rund um die Hütten wachsen oder Blumen verzieren wir es noch ein bisschen. Das Auge isst mit. Das ist wichtig.
TINA über die almkulinarik
„Und wir kochen auch nicht kompliziert. Also wir machen da jetzt nicht irgendwie voll Schnickschnack, sondern einfach ein gutes Produkt und das kreativ umgesetzt – das ist so unser Ding“, erklärt Tina.

Guat, regional und alles andere als fad
Neben saisonal wechselnden Gerichten wie etwa dem blanchierten Spargel mit fruchtig-frischer Vinaigrette, finden sich bewährte Lieblinge als eingesessene Stammgäste auf der Karte. Darunter die Ofenkartoffel, die entweder vegetarisch oder mit selbst geräuchertem Speck vom Strohschwein vom Hof von Tinas Familie serviert wird.
Besonders überzeugt hat uns aber der Käferbohnenhummus, der wunderbar derb, nussig und mit genau der richtigen Menge an Kürbiskernöl serviert wird – mehr ist bekanntlich mehr!
Unbedingt Platz lassen solltet ihr für die Pofesen. Dafür wird dünn aufgeschnittenes Weißbrot vom Bäcker aus der Gegend mit Powidl- und Ribiselmarmelade bestrichen, anschließend herausgebacken und mit Staubzucker bestreut. Schmeckt wie Kindheit, nur eben einfach ein bisschen besser.
Auch Allergiker*innen finden hier stets feine Köstlichkeiten, und auch mit glutenfreien sowie veganen Gerichten werdet ihr von Stephan bestens versorgt.

5 Fragen an Tina & Stephan von der Stuhlalm
Wenn die Stuhlalm ein Gericht wäre, welches wäre sie?
Stephan: Ich würde sagen, ein Käferbohnen-Hummus. (lacht)
Tina: Ja. Stimmt.
Stephan: Erstens einmal, weil die Farbe ein bisschen ähnlich ist und die Stuhlalm eher sehr dunkel ist. Und weil sie, obwohl sie so in die Landschaft integriert ist, trotzdem einfach wunderschön ist mit den ganzen Blumen. Also ja, ich glaube, das trifft es eigentlich ganz gut.

Was ist das größte Kompliment, das euch jemals ein Gast gemacht hat und das sich nicht auf das Essen bezieht?
Tina: Dass alles so mit Liebe hergerichtet ist. Also die ganze Hütte. Und dass es noch so eine urige Hütte ist, das findet man immer seltener, weil die ganzen Hütten halt umgebaut und immer größer und moderner gemacht werden. Und eigentlich ist es bei uns noch ursprünglich. Ich finde, das macht die Almen bei uns ein bisschen aus. Oder generell halt auch die Region oder Österreich – also das Ursprüngliche und Traditionelle.
Stephan: Ja, und auch die Freundlichkeit. Also dass die Leutr schon oft sagen: „Mein Gott, es sind alle so freundlich, es sind alle so lieb.“ Und das macht schon viel aus, ja.

Welches Gericht schmeckt bei euch besonders gut bzw. für welches Gericht lohnt es sich zu euch hochzuwandern?
Tina: Definitiv für unser Speckbrot, würde ich jetzt sagen. Wahrscheinlich hat ja jede*r eine unterschiedliche Meinung, aber ich sage, das Speckbrot. Wir räuchern halt unseren Speck selber. Es ist nicht so ein Speckbrot, was man eigentlich erwartet, also einfach ein Brot und dann ein Stück Speck runtergeschnitten, sondern da hat Stephan sich doch was einfallen lassen.
Uns ist auch voll wichtig, dass wir mit lokalen Partner*innen zusammenarbeiten – etwa mit Brot aus einer Bäckerei aus dem Ort. Und dann kommt da ein bisschen Senfcreme drauf, aufgeschnittener, selbstgeräucherter Speck. Da sind die Leute eigentlich schon voll überrascht, wenn man es nur hinstellt. Und dann sagen sie schon: „Wow, voll gut, habe ich noch gar nicht probiert.“ Das ist schon so unser Aushängeschild.

Stephan: Ja, würde ich auch sagen. Und Pofesen. Pofesen, das ist auch so was, was man nicht überall kriegt, und wo die Leute auch total begeistert sind. Wir haben uns bewusst gegen den Kaiserschmarrn entschieden, weil wir gesagt haben …
Tina: Nicht immer einfach.
Stephan: Nicht immer einfach, ja. (lacht) Den kriegt man überall. Erstens einmal ist es für mich in der Küche total ablenkend, weil wenn viel los ist, dann habe ich auch keinen Platz mehr am Herd. Das funktioniert einfach nicht. Die Leute essen dann die Pofesen und sagen: „Gott sei Dank habt ihr keinen Kaiserschmarrn gehabt, jetzt probieren wir mal was anderes.“ Und das ist auch cool.

Wie würdet ihr die Stuhlalm in drei Worten beschreiben?
Stephan: Ja, es ist halt einfach schön. (lacht) Drei Worte… Ich kann das nicht in drei Worten beschreiben.
Tina: Ja, sie ist authentisch.
Stephan: Ja, sie ist ein Wohlfühlplatz irgendwie…
Tina: Ja, das stimmt. So ein Kraftplatz eigentlich.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Kaspressknödel oder Kaiserschmarrn?
Tina: Weder noch. (lacht)
1000things Magazine: Was dann?
Tina: Pofesen!
Stephan: Ich glaube, wenn ich mich entscheiden müsste, dann… würde ich wahrscheinlich den Kaiserschmarrn nehmen.
Tina: Das überrascht mich gerade …

Die Stuhlalm im Überblick
- Annaberg im Lammertal, Salzburg
- geführt von Tina & Stephan seit 2022
- im Winter geschlossen
- nur Barzahlung möglich
- schnellste Wanderung hoch: Parkplatz Pommer
- unbedingt probieren: den Käferbohnenhummus & die Pofesen
- Tipp der Redaktion: unbedingt Zeit für eine Übernachtung einplanen
- Mehr über die Stuhlalm erfahren
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