Kritik zum 1. ESC-Semifinale in Wien: Kann man schon so machen!
Das 1. Semifinale des Eurovision Song Contest ist geschlagen. In dieser Kritik lest ihr, wie uns die Mega-Show gefallen hat: Von der supergeilen Bühne zur Moderation mit Potenzial!
Das highly official Eurovision Song Contest Semifinale Nummer 1 ist also vorüber. Ich war am Montag beim Preview in der Wiener Stadthalle und wusste von da an, was auf uns zukommt. Ich muss sagen: Ich bin mit der österreichischen Performance zufrieden! Dabei war die Messlatte nach letztem Jahr hoch, in Basel haben sie die Show halt total gerockt. Daher war ich nervös, ob der ORF irgendetwas Vergleichbares auf die Bühne bringen kann – Stichwort Sparzwang. Diese Befürchtung war unbegründet.
Allein die Bühne: Die ist ein Schmuckstück und sticht alles. Wow. Das Lichtspektakel, das bei vielen Acts stark zum Einsatz kommt, ist opulent. Mir hat das bei Schweden, einer ravigen Club-Nummer, besonders gefallen. Wenn rote Lichtstrahlen die Halle zum Flackern bringen und mit dem Schwarz brechen, kommt eine arg coole Stimmung auf.

Was kann die Bühne eigentlich nicht?
Aber auch bei anderen Nummern passiert viel: Sei es bei Serbien, dem einzigen Metal-Act, der mit einer stimmigen Nebelshow startet. Oder bei Moldau, wo viel Feuer zum Einsatz kommt. Oder bei Griechenland, das mit einem videospielartigen Bühnenbild auftrumpft. Die Auflistung könnte ich fortführen, aber die Bühne spielt alle Stückln, wie man in Österreich so schön sagt.
Etwas angespannt ist die Stimmung immer beim israelischen Beitrag: Passiert diesmal was? Bei der großen Begrüßung der 35 Delegationen inklusive Israel am Rathausplatz am Sonntag gab es keine großflächigen Aktionen, auch beim Preview am Montag gab es keine auffälligen Aktionen. Beim Semifinale gestern waren in der TV-Übertragung zu Beginn des Acts pro-palästinensische Protestrufe zu hören, vier Personen wurden anschließend der Halle verwiesen. Weitere, großflächige Proteste oder dröhnende Buhrufe blieben während des Beitrags ansonsten aus.
Moderation: Not bad – always could be better
Die Moderation fand ich, trotz vieler gegenteiliger Meinungen, im Großen und Ganzen gelungen. Ein bisschen steif oder aufgesetzt wirkten ein paar Stellen zwar. Aber, und das scheint mir wichtig: Die Basis stimmt und ist weit weg von peinlich. Es gilt: Das Schweizer Trio Michelle Hunziker, Hazel Brugger und Sandra Studer hat da 2025 einfach enorm vorgelegt.

Victoria Swarovski und Michael Ostrowski sind dagegen bisher nicht so stark abgefallen, dass ich es als aktiv ungut empfunden hätte – selbst wenn sie an ein paar Dingen feilen können, ein bisschen mehr Lockerheit verträgt das ganze fix noch. Wenn sie sich während der kommenden Shows weiter einspielen, geht die Performance am Ende in Ordnung. Bin da gespannt aufs Finale!
Wiener Prater rockt, „Austrialia“ eher nieschig
Das Rahmenprogramm – vor allem mit einer gelungenen Tanzshow-Einlagerund um den Wiener Prater – hat dafür von Anfang an sehr gut gesessen. Die zweite Einlage, wo es um die ewige, nervige Verwechslung von „Australia“ und „Austria“ (No Kangaroos!) geht, fand ich schwächer, aber noch stimmig genug – hier muss man halt dazu sagen, dass das internationale Echo verhalten ausfiel.

Was ich mir vorstellen kann: Dieser „Schmäh“ funktioniert vor allem in Österreich. In anderen Ländern checkt man es ja wohl nicht wirklich, dass unsere beiden Länder WIRKLICH ständig vertauscht werden – so eine bedeutende Rolle spielt unsere Alpenrepublik weltweit wohl eher doch nicht.
Fazit: Gelungen!
Trotzdem verleiht für mich die ulkige Mitwirkung von Australier Go-Jo, der sich im letzten Jahr nach seinem überraschenden Ausscheiden im Semifinale doch noch zum ESC-Publikumsliebling gemausert hat, dem Klamauk das nötige internationale ESC-Extra – selbst wenn der Act am Ende nicht an das wirklich grandiose Schweizer „Made in Switzerland“ von 2025 herankommt. Man sieht auch an diesem Beispiel: Der Vergleich mit der Schweiz bleibt ständig im Hinterkopf und die haben halt wirklich gut vorgelegt. Aber daran wird man halt dann gemessen.
Trotzdem: Alles in allem empfand ich das erste Semifinale in Wien als einen sehr guten Auftakt: Primär dank der Bühne, der Prater-Tanzeinlage und einem generell recht reibungslosen Ablauf. Da freu ich mich jetzt einfach auf mehr!

Ah ja – und diese Länder kamen weiter:
- Belgien: Essyle – „Dancing on the Ice“
- Finnland: Linda Lampenius & Pete Parkkonen – „Liekinheitin“
- Griechenland: Akylas – „Ferto“
- Israel: Noam Bettan – „Michelle“
- Kroatien: Lelek – „Andromeda“
- Litauen: Lion Ceccah – „Sólo quiero más“
- Moldau: Satoshi – „Viva Moldova!“
- Polen: Alicja – „Pray“
- Schweden: Felicia – „My System“
- Serbien: Lavina – „Kraj Mene“
Ausgeschieden sind:
- Estland: Vanilla Ninja – „Too Epic to Be True“
- Georgien: Bzikebi – „On Replay“
- Montenegro: Tamara Živković – „Nova Zora“
- Portugal: Bandidos do Cante – „Rosa“
- San Marino: Senhit feat. Boy George – „Superstar“
