Wo kreative Sterneküche auf steirische Gemütlichkeit trifft: Zu Besuch im Wirtshaus Lilli
Regionale Wohlfühlküche und ein Menü auf Sterneniveau: Im Wirtshaus Lilli in Fehring zeigt Küchenchef Walter Triebl, wie gut sich Tradition und kreative Spitzenküche ergänzen. Seit dem Frühjahr 2026 darf sich das Restaurant über einen Michelin-Stern freuen – wir waren zu Gast und finden: völlig zurecht.
Wer bei einem Wirtshausbesuch an Kalbsschnitzel und Erdäpfelpürree denkt, liegt im Wirtshaus Lilli zwar nicht falsch, greift aber zu kurz. Denn hinter der einladenden Fassade am Hauptplatz von Fehring verbirgt sich ein kulinarischer Ort, der gleich zwei Welten miteinander verbindet: auf der klassischen Karte die steirische Wirtshauskultur, jedoch stets modern interpretiert, und abends kreative Küche auf Fine-Dining-Niveau.
Verantwortlich dafür ist Küchenchef Walter Triebl, der mit seinem Team regionale Produkte, saisonale Zutaten und jede Menge neue kulinarische Ideen auf die Teller bringt. Seit dem Frühjahr 2026 schmückt ein Michelin-Stern das Restaurant – ein guter Grund, dem kleinen Ort Fehring einen Besuch abzustatten.
Spitzenküche für alle
Das Wirtshaus Lilli gibt es bereits seit 2021, doch von steifer Sternerestaurant-Etikette ist hier auch nach der renommierten Auszeichnung nichts zu spüren. Denn schon beim Betreten wird klar: Im Lilli ist jede und jeder willkommen. Das Interieur, gestaltet von Andreas Stern, verbindet schlichte Eleganz mit einer gemütlichen Atmosphäre. Dezenter Kerzenschein taucht die Tische in warmes Licht und Blumen setzen florale Akzente. Alles wirkt stilvoll, ohne dabei aufgesetzt zu sein.
Genau das entspricht auch Walters Philosophie: Spitzenküche soll für alle zugänglich sein, ganz egal, ob man leger in Jeans oder schick im Hemd kommt. Denn im Mittelpunkt steht nicht, wer am Tisch sitzt oder was man trägt, sondern wie man sich fühlt. Walter Triebl bringt es selbst auf den Punkt:
In Wahrheit verkaufen wir einfach Zeit und ein schönes Gefühl. Das ist genau das, was wir versuchen zu vermitteln und wir hoffen, dass alle glücklich und satt nach Hause gehen.
Walter Triebl

Zwischen Tradition und kreativen Geschmacksexperimenten
Auf der Wirtshauskarte stehen traditionelle Gerichte mit regionalen Produkten aber auch modern interpretierte, ausgefallene Varianten, wie etwa das Carpaccio vom Fleckvieh mit Hoisin Sauce und Shiitake oder der Istrische Thunfisch mit Ponzu und Koriander.
Am Abend wird es dann noch raffinierter: Bei den Fine-Dining-Menüs zeigt Walter Triebl mit seinem Team, wie vielseitig die steirische Küche sein kann. So oder so gilt im Lilli: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt – weder in der Wirtshausküche noch in der Spitzenküche.

Sauer macht lustig
Das Erfolgsrezept dahinter? Walter Triebl lässt sich nicht auf einen bestimmten Stil festlegen. Stattdessen orientiert er sich an der Saison und den verfügbaren Produkten. Seine Küche beschreibt er selbst als „Lust-und-Laune-Küche“. Was zunächst ungezwungen klingt, folgt durchaus einer klaren Idee: mit hochwertigen Zutaten zu arbeiten, neue Kombinationen auszuprobieren und sich kulinarisch immer weiterzuentwickeln.
Dabei geht es nicht nur um die Qualität der Produkte, sondern vor allem um das Zusammenspiel der Aromen.
Ich finde, dass eine leichte Salzigkeit, Umami, und bittere Aromen wichtig sind. Und was ich am liebsten mag, ist natürlich Säure, weil Sauer macht lustig.
Walter Triebl
Sechs Gänge voller Überraschungen
Der Fine-Dining-Abend im Lilli beginnt mit Grüßen aus der Küche und die haben es bereits in sich. Noch bevor das eigentliche Menü startet, wird klar, dass hier gerne mit überraschenden Kombinationen gespielt wird. Danach folgen sechs Gänge, bei denen einer auf den nächsten neugierig macht. Das Menü kostet 129 Euro ohne Weinbegleitung – und ist aus unserer Sicht jeden Cent wert.
Ein Highlight ist die White-Tiger-Garnele mit Spinat, Petersilienwurzel, geräuchertem Kren und Lorbeeröl. Die Garnele ist unfassbar zart, während am Gaumen feine Meeresnoten auf erdige Aromen treffen. Vor allem der geräucherte Kren und das aromatische Lorbeeröl sorgen für spannende Geschmackskontraste, die man so nicht alle Tage erlebt.

Heimische Kräuter landen auf dem Teller
Was das Menü besonders macht, ist das Zusammenspiel aus Regionalität und Kreativität. Vertraute Zutaten aus der Steiermark werden in ungewohnten Kombinationen auf den Teller gebracht und eröffnen so ganz neue Geschmackserlebnisse. Dabei geht der Bezug zur Region nie verloren.
Wir versuchen, so gut wie möglich Produkte von verschiedenen Produzent*innen und Bauern aus der Region zu beziehen. Einen kleinen Teil vom Gemüse und unsere gesamten Kräuter bauen wir Zuhause bei meinen Eltern an.
Walter Triebl

Ein Menü zum Dahinschmelzen
Auch der Gang mit Alpenkaviar, geräuchertem Stör, Karfiolcreme, Haselnussmilch und Joghurt-Estragoneis zeigt, wie selbstverständlich unterschiedliche Aromen und Texturen miteinander kombiniert werden. Unser persönlicher Favorit des Abends ist allerdings der Seesaibling. Mit Sommergemüse, Kapuzinerkresse, Paradeiserfond und Kapern serviert, überzeugt er vor allem durch seine Zartheit. Der Fisch ist butterweich und zergeht beinahe auf der Zunge.

Sterneküche mit der Geheimzutat: Herzlichkeit
Zum Schluss werden Pralinen gereicht, serviert in extravaganten Schälchen, die vom Künstler Karl Karner gestaltet wurden. Auch hier zeigt sich die Liebe zum Detail, die sich bereits durch den ganzen Abend zieht.
Was bei uns vom Besuch im Wirtshaus Lilli hängen bleibt, ist mehr als die Erinnerung an ausgezeichnetes Essen: Es ist die Herzlichkeit der Gastgeber*innen und das Gefühl, vom ersten Moment an willkommen zu sein. Walter Triebl und sein Team zeigen, dass Sterneküche weder steif noch abgehoben sein muss. Hier darf man genießen, Neues entdecken und sich einfach wohlfühlen.

5 Fragen an Walter Triebl:
1000things Magazine: Wie würdet du deine Küche beschreiben?
Walter Triebl: Unsere Küche ist eine Lust-und-Laune-Küche mit den Produkten, die wir gerade spannend finden. Der Stil ändert sich immer ein bisschen nach den Jahreszeiten. Im Sommer ist unsere Küche immer etwas leichter, im Frühling ein bisschen kräutriger und im Herbst wird’s ein bisschen deftiger.
1000things Magazine: Wolltest du schon immer Koch werden?
Walter Triebl: Ich habe schon als kleiner Bub viel mit meiner Oma gekocht. Damals noch am Holzherd. Mein Lieblingsgericht waren faschierte Laibchen mit Erdäpfelpüree, die wollte ich immer essen. Und irgendwann hat sie gesagt: Wenn du sie haben willst, musst du mitarbeiten. So ist meine Leidenschaft fürs Kochen entstanden.
1000things Magazine: Wie ist der Name Lilli entstanden?
Walter Triebl: Wir haben uns 2021, während des Lockdowns, dazu entschlossen, das Lilli zu machen. Einen meiner besten Freunde haben wir gefragt, ob er die Gestaltung übernehmen möchte. Er hat sich das angeschaut und gemeint, dass es noch einen weiblichen Touch braucht.
Damals hatten wir alle relativ viel Zeit. Also haben wir uns bei zwei, drei, vier Flaschen Wein zusammengesetzt und über einen Namen diskutiert. Zunächst ist nichts Besonderes dabei herausgekommen. Irgendwann hat meine Freundin dann erzählt, dass sie geträumt hat, wir hätten ein Mädchen bekommen, das Lilli heißt. Und da war klar: Genau das ist es!
Das Lilli ist sozusagen unser erstes Kind. Mittlerweile haben wir Zwillinge bekommen – Johanna und Leopold. Jetzt sind wir also bei drei Kindern.
1000things Magazine: Hat sich seit der Auszeichnung mit einem Michelin-Stern etwas geändert?
Walter Triebl: Von unserer Arbeitsweise hat sich nichts verändert. Wir arbeiten ganz gleich weiter. Unser Ziel ist ganz klar, uns immer weiter zu entwickeln. Wir arbeiten nicht für Bewertungen. Für uns ist einfach wichtig, dass die Gäste zufrieden sind und wir uns kreativ austoben können.
1000things Magazine: Was macht dir am meisten Freude?
Walter Triebl: Natürlich ein glücklicher Gast!
Wirtshaus Lilli im Überblick:
- Eröffnung: 19. Mai 2021
- Küchenchef: Walter Triebl
- Auszeichnung: Ein Michelin-Stern seit dem Frühjahr 2026
- Küche: Regionale Wirtshausküche und kreatives Fine Dining
- Fine Dining: MO, DO, FR und SA, 18–19 Uhr (Reservierung erforderlich)
- Menü: 4–6 Gänge, Weinbegleitung möglich
- Kostenpunkt: zwischen 89 bis 129 €