Kino wie noch nie 2026: Das sind die Film-Insider-Tipps von Programmleiter Florian Widegger
Das Wiener Freiluftkino „Kino wie noch nie“ geht auch 2026 wieder über die Bühne und bringt aktuelle Filme genauso auf die Leinwand wie zeitlose Klassiker. Programmleiter Florian Widegger verrät uns im Interview, welche Filme ihr diesen Sommer im Augarten unbedingt sehen müsst.
Ach, sie werden ja so schnell erwachsen! So wie das Wiener Open-Air-Kino „Kino wie noch nie“ beim Augartenspitz, das 2026 stolze 18 Jahre alt wird. Auch diesen Sommer flimmern wieder 94 Programme an 67 Sommerabenden über die Leinwand.
Um euch etwas Inspiration zu geben, welche Filme ihr dabei nicht verpassen solltet, haben wir zum Saisonstart mit Programmleiter Florian Widegger gesprochen. Er hat die heurige Filmauswahl kuratiert, die ab sofort bis zum 30. August 2026 im Augarten laufen.
Ich wähle beim Kino wie noch nie vor allem auch Filme aus, die die sommerliche Atmosphäre unterstreichen.
Florian Widegger
Angesichts der aktuellen Hitzewelle: Warum soll man bei 35 Grad am Abend trotzdem ins Kino wie noch Nie gehen?
„Ja warum denn nicht, wenn der Film gut ist! Und natürlich wegen dem Ort: Wir haben wirklich eine Naturoase im 2. Bezirk. Es ist hier einfach schön: Man kann hier gut essen, man kann sich hier gut unterhalten, man kann hier nett was trinken, manchmal spielt Live-Musik oder DJs legen auf.
Es kommen auch Leute, die sich nur diese Dinge geben und gar nicht ins Kino gehen. Das ist auch okay, auch wenn es mir anders natürlich schon noch lieber ist.“ (lacht)

Gibt’s dieses Jahr ein Film-Highlight, auf das du dich besonders freust?
„Meinen 40. Geburtstag, den ich hier in der Naturarena verbringen werde. Ich habe an dem Abend auch einen guten Film ausgesucht: Sideways. Da geht’s um zwei Männer in einer Midlife-Crisis, die in einem Weinbaugebiet in Kalifornien unterwegs sind.
Der eine heiratet bald und will nochmal auf die Pauke hauen, der andere ist unglücklich geschieden. Kalifornien ist ein Sehnsuchtsort von mir und ich freue mich schon sehr, den Film in der Naturarena zu schauen.“
Apropos Naturarena: Im Kino wie noch nie spielt ihr hier 2026 wieder aktuelle Produktionen à la A Complete Unkown, aber auch Klassiker wie Top Gun. Wie hast du die Filme ausgewählt und was können wir da erwarten?
„Wenn wir ein Programm machen, definieren wir ein paar Themenschwerpunkte. Das ist in diesem Jahr die New Hollywood Ära, also US-amerikanische Filme der 1970er-Jahre, die damals mit Konventionen gebrochen haben. Bonnie and Clyde fällt da rein, aber auch Easy Rider oder French Connection.
Außerdem haben wir Personenschwerpunkte, die bilden dieses Jahr Kristen Stewart und Timothée Chalamet. Kristen Stewart hat einfach ein tolles Händchen, was ihre Rollenwahl betrifft. Sie hat bei vielen Independent-Filmen mitgewirkt, wurde durch Twilight berühmt und hat jetzt mit „The Chronology of Water“ ihren eigenen Spielfilm gemacht – letzterer läuft auch bei uns.“
Und Timothée Chalamet?
„Der hat sozusagen zehn Jahre nach Stewart mit dem Schauspiel angefangen und repräsentiert eine noch jüngere Generation. Marty Supreme war im letzten Jahr ein wirklich guter Film, der Wellen geschlagen hat. Timothée Chalamet hat in seiner Karriere aber auch bei einigen kleineren Produktionen mitgewirkt und ist einfach ein cooler Schauspieler.“
Heuer gibt’s eine zusätzliche Spielstätte beim Augartenspitz: Das Atrium, in dem freitags und samstags Stummfilme gespielt werden, teils sogar mit Live-Musik. Welchen Film sollte man dort nicht verpassen?
„Also ich freue mich sehr auf Queen Kelly von Erich von Stroheim aus dem Jahr 1929. Das ist ein Film, der nie fertig wurde, weil während der Produktion das Geld ausgegangen ist und Stroheim sich quasi mit allen Beteiligten überworfen hat.
Der Regisseur mit seiner Detailverliebtheit war ein Besessener des Kinos. Der Film wurde vor ein oder zwei Jahren in Amerika restauriert und ist in Wien noch nicht gelaufen, es gibt auch eine ganz tolle Musik dazu.“

Immer wieder habt ihr auch Regisseur*innen für Gespräche eingeladen.
„Das betrifft ausschließlich österreichische Filme, die entweder dieses Jahr im Kino gelaufen sind oder bald ins Kino kommen werden. Richtig gut gefallen hat mir zum Beispiel Die noch unbekannten Tage von Jola Wieczorek. Das ist eine berührende Doku über ihre Familiengeschichte und das Vergessen und Weitergeben von Geschichten.
Dazu kommen mehrere weitere spannende Talks über österreichische Produktionen wie Rose, AMS oder eine neue Doku über Christine Nöstlinger als Abschlussfilm am 30. August.“

Zum Abschluss eine allgemeine Frage: Ihr seid nun seit 18 Jahren fest im 2. Bezirk verankert. Welche Tipps hast du rundherum um den Augartenspitz, die Cineast*innen bei einem Besuch bei euch mitnehmen können?
„Also wenn das Kino aus ist und unsere hervorragende Grünstern Gartenküche vor Ort schon geschlossen hat, kann ich den Würstelstand von ExtraWürstel ums Eck an der Taborstraße empfehlen. Man darf mit den Würsteln auch zu uns aufs Areal kommen und es ist erlaubt, die hier zu essen.
Die Hammond Bar ist ein super Tipp für danach, wo ich selber immer wieder mit Gäst*innen hingehe. Und das chinesische Restaurant Mei Wei ist gleich in der Nähe, wenn man vor einem Film noch Abendessen gehen möchte.“
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