Über Waldbaden, Hütten-Fusionkitchen und ewas Kreta in Bad Gastein: Zu Gast bei Nina und Denis im Waldhaus Rudolfshöhe
In „Zu Gast bei“ besuchen wir besondere Gastgeber*innen im Alpenraum und sprechen mit ihnen über die Liebe zur Hospitality, ihren Betrieb und gute Gastfreundschaft. Dieses Mal führt uns unser Weg ins Salzburger Land auf 1.220 Meter Seehöhe: Wir sind zu Besuch bei Nina und Denis im geschichtsträchtigen Waldhaus Rudolfshöhe in Bad Gastein.
Es gibt Plätze, an denen die Uhren ein bisschen langsamer ticken und die Hektik des Alltags augenblicklich vom Rauschen der Baumwipfel und des nahegelegenen Wasserfalls verschluckt wird. Genau so ein Ort ist das Waldhaus Rudolfshöhe.
Einst Jausenstation, heute Boutique-Hotel mit Restaurant und Ausflugscafé, thront das kleine Refugium hoch oben in den Bergen von Bad Gastein, einsam und idyllisch am Waldrand gelegen. Wer hierherkommt, sucht keine sterile Hotelatmosphäre, sondern echte Substanz, absolute Ruhe und ein Gefühl von Angekommensein.

Seit der Sommersaison 2025 sind Nina und Denis die Gastgeber*innen der Rudolfshöhe. Sie haben dem historischen Haus mit viel Herzblut, Humor und Idealismus neues Leben eingehaucht. „Die Leute sollen hier das bekommen, was ich mir selbst als Gast auch wünschen würde. Und ich glaube, dass wir das ganz gut hinkriegen“, sagt Nina im 1000things-Interview.
Vom Musikstudio und Großraumbüro in die Berge
Die Geschichte der beiden Gastronom*innen könnte kaum unterschiedlicher sein. Nina, aufgewachsen im Burgenland und jahrelang in Wien zu Hause, suchte irgendwann den harten Cut zum klassischen 9-to-5-Bürojob. „Ich wollte einfach nicht mehr nur vor dem Computer sitzen. Ich wollte schöne Orte mit Menschen teilen“, erzählt sie mit einem Lächeln. Mittlerweile lebt sie seit fast zehn Jahren in Bad Gastein und zieht die Fäden in Hotelzimmer und Service.
Ihr Partner Denis hatte sich ursprünglich der Musik verschrieben: Musik-College in Estland, Gesang, Klavier, mit dem ersten Computer auch elektronische Musik und DJ-Sets auf Ibiza. Dass er heute als leidenschaftlicher Küchenchef am Herd des Waldhaus Rudolfshöhe steht, verdankt er seinen jüngeren Brüdern: „Ich musste immer für sie kochen und jeder hatte einen anderen Geschmack. Wenn einer Porridge wollte, wollte der andere ein Sandwich. Da lernt man schnell, sich anzupassen.“

Das Konzept: Individuell, familiär und ein bisschen international
Das Waldhaus Rudolfshöhe verfügt über vier ganz individuell und liebevoll eingerichtete Zimmer. Luxus wird hier als Flexibilität definiert: Gefrühstückt wird, wann immer man möchte. Egal ob früh, spät, viel oder wenig, vegetarisch oder mit Speck aus der Gasteiner Gegend – Gastgeberin Nina erfragt jeden Tag die Wünsche ihrer Hausgäste und Denis zaubert das Gewünschte im Handumdrehen auf die Teller.
Diese Nahbarkeit sorgt dafür, dass man als Gast schnell das Gefühl hat, bei Freunden zu nächtigen – und nicht im Hotel. „Manchmal wollen die Leute sogar schneller mit uns befreundet sein, als wir mit ihnen“, scherzt Denis, der wenig von der Anonymität großer Häuser hält und seinen Betrieb so flexibel wie möglich gestalten möchte.
Wir machen nur unseren Job, so gut wie möglich. Unsere Gäste schätzen das, den guten Vibe. Wir schätzen, dass sie es schätzen.
Denis über gegenseitige wertschätzung
Dieses Konzept zieht neben Erholungssuchenden vor allem kreative Köpfe wie Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Architekt*innen an. Auch bekannte Gesichter wie Schauspieler Frederick Lau und andere Netflix-Stars schätzen die gute Energie der Rudolfshöhe. Manche nennen den Aufenthalt hier „Waldbaden“ oder suchen Neudeutsch nach einer „Coolcation“ im heißen Sommer, aber alle finden hier oben eines: Absolute Ruhe.

Das Haus selbst blickt auf eine lange Tradition zurück. Ursprünglich war es eine legendäre Jausenstation, direkt am Salzburger Almenweg gelegen. Durch den Garten des Waldhauses führen Wanderrouten zum Graukogel, ins Kötschachtal oder auf den Gasteiner Höhenweg direkt vor der Haustür. Diesen Geist des offenen Hauses wollen die beiden neuen Rudolfshöhe-Gastgeber*innen beibehalten. Tagsüber sind auch Ausflügler*innen jederzeit für eine Einkehr willkommen, die gemütliche Terrasse ist Mittwoch bis Montag ab 14 Uhr geöffnet. 1000er-Tipp: Denis‘ legendären Schokobrownie oder klassisch ein frisches Schnittlauchbrot zum Kaffee genießen!
Kulinarik mit Twist, füssiges Gold aus Kreta und der perfekte Lammbraten-Jus
Wer abends auf der Rudolfshöhe speist, darf sich auf eine spannende Fusionkitchen freuen, die österreichische Klassiker mit asiatischen, französischen und britischen Einflüssen kombiniert. Denis liebt es, mit Geschmäckern zu experimentieren und holt sich dazu Inspiration aus der ganzen Welt.
1000things Magazine: Denis, was sind deine Signature Dishes, die man bei euch probiert haben muss?
Denis: Wer es leicht und fischig mag, sollte meinen Zander mit einem cremigen Erbsen-Cassoulet im französischen Stil probieren – super saftig und buttrig. Für die Herzhafteren empfehle ich mein Lammsteak. Das ist ein echtes Meisterstück, weil die Zubereitung des Jus unglaublich viel Zeit und Liebe erfordert. Wenn man da eine Sekunde nicht aufpasst, ist alles ruiniert. Und natürlich Ninas absoluter Favorit: Butter Chicken!
Ein besonderes Highlight der Waldhaus-Küche ist das Olivenöl. Eine gute Freundin von Nina betreibt auf Kreta einen zertifizierten Biohof. Ihr Olivenöl importiert Nina direkt von dort nach Bad Gastein. Es steht auf den Tischen zum Verkosten bereit und wird natürlich in der Küche verwendet. Denis nutzt es auch als Basis für seine selbstgesiedeten Naturseifen, die auf den Zimmern für die Gäste bereitliegen. „Ich wollte auch eigene Zahnpasta herstellen, aber das war dann doch etwas zu tricky“, schmunzelt er.

Tierische Mitbewohner auf Samtpfoten
Die heimlichen Herrscherinnen des Hauses sind aber sie: die Katzen Blondie und Marshmallow. Sie begrüßen die Gäste des Waldhaus Rudolfshöhe, sonnen sich auf der Terrasse und spielen im märchenhaften Garten direkt am Naturteich. Blondie ist eigentlich aus Kreta „zugereist“. Die Geschichte, wie sie nach Bad Gastein kam, erzählt Denis nur zu gerne: Denis wollte morgens eigentlich nur neue Farbe kaufen, um Ninas Häuschen auf Kreta zu streichen. Unterwegs hörte er durch das geöffnete Autofenster drei mutterlose Kätzchen schreien. Kurz darauf kam er ohne Farbe, dafür mit drei Katzenbabys nach Hause. Eine davon, Blondie, genießt heute das riesige Areal rund ums Waldhaus zum Spielen und Faulenzen.

4 Fragen an Nina und Denis
1000things Magazine: Was macht für euch gute Hospitality aus?
Nina: Das Persönliche, das Familiäre, die Flexibilität und das Freundschaftliche. Ich habe die letzten Jahre in meinem Job viele interessante Leute kennengelernt. Einige davon sind wirklich zu guten Freunden geworden.
1000things Magazine: Was ist euer Lieblingsplatz im und ums Haus?
Denis: Tatsächlich mein Bett. Wenn ich in der Früh die Augen öffne, sehe ich sofort die Berge. Der Ausblick von überall hier, den mag ich wirklich sehr.
Nina: Ich hab eigentlich zwei. Einer ist gleich vorm Haus, da setze ich mich manchmal zwischendurch raus, schau herum, es kommen Leute vorbei und man plaudert ein bisschen. Der zweite ist oben im Garten unter dem schönen alten Bergahorn, der gut Schatten gibt.
1000things Magazine: Welche Gäste sind bei euch willkommen?
Nina: Alle. Wir haben Familien mit lieben Kindern, wir haben ältere Leute, wir haben oft Gruppen von Freunden, irgendwie jedes Alter, und auch unterschiedliche Berufe. Menschen, die eben irgendwie die Ruhe und das Besondere suchen.
1000things Magazine: Ihr seid 24/7 ein Paar, in Business und Liebe. Was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Denis: Genug Räume, in die man sich auch mal komplett zurückziehen kann. (lacht)
Nina: Für mich ist es das erste Mal, dass ich mit meinem Partner auch einen Betrieb führe. Anfangs war ich schon ein bisschen skeptisch, ob das eh gut geht. Aber wir sind ein sehr gutes Team und es funktioniert gut.
Denis: In der Zwischensaison machen wir auch mal getrennt Urlaub. Wenn man sich mal ein, zwei Wochen nicht sieht, hilft das. Dann bist du gleich so: „Wow, ich hab dich vermisst!“ – „Ich dich auch!“

Auch das Saisongeschäft in Bad Gastein spielt ihnen dabei in die Karten. Während der November im Ort wettertechnisch ruhig ist – man gerade nicht mehr wandern und noch nicht Skifahren kann –, nutzen die beiden die Lücke ganz bewusst zur Regeneration. „Der Job in der Hauptsaison von Mitte Dezember bis Ostern und von Ende Mai bis Oktober ist ein intensiver 24/7-Dienst. Da braucht nicht nur der Mensch eine Pause, sondern auch die Natur ist froh über die Ruhe“, erklärt Nina.
Nina & Denis im Überblick
- Herkunft: Burgenland & Estland
- Sind: Gastronom*innen im zweiten Bildungsweg
- Servieren: Ruhe, Freundschaft und Kulinarik in den Gasteiner Bergen
- Küche: österreichische Hüttenklassiker und internationale Einflüsse
- immer an ihrer Seite: Katze Blondie mit Kätzchen Marshmallow